Für den Barchef der Wolfram Bar & Terrace steht das Wohlbehagen seiner Gäste stets im Mittelpunkt.

 

 

Routiniert lässt der Mann hinter dem Tresen die farblose Flüssigkeit in den Messbecher laufen. Um ihn herum spiegelt sich die Sonne in zahllosen Flaschen – Runges Arbeitsplatz über den Dächern von Stuttgart ist ein echter Hingucker. Ebenso außergewöhnlich sind die Kreationen, die er mit profundem Wissen um Zutaten und Verarbeitung zubereitet. „Jeder Drink hat eine eigene, sehr komplexe Geschichte. Ähnlich wie beim Food-Completing kombiniere und variiere ich verschiedene Zutaten und Aromen, bis das Ergebnis spannend und fein abgestimmt überzeugt.“ Seine Inspirationen holt sich der 30-Jährige – der Wein und Champagner liebt, zu Hause aber meistens zu Wasser pur greift –, wo immer er sie findet: bei Gourmets und Freunden wie Andreas Hettinger, aus Kochbüchern, bei einem Gericht, dessen Geschmack ihn reizt. „Es braucht allerdings viel Erfahrung und noch mehr Vorstellungskraft, um eine vage Idee zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu entwickeln.“

Das prompte, in der Regel begeisterte Feedback seitens des Gegenübers spornt den gebürtigen Stuttgarter zu immer neuen Höchstleistungen an – neben dem intensiven Gästekontakt einweiterer Grund, warum er seinen Job so schätzt. „Es gibt aber auch Schattenseiten“, fügt er ehrlicherweise hinzu. „Das eigene Sozialleben leidet, weil man meist arbeitet, wenn andere ausgehen, Freunde treffen, Spaß haben.“ Lange bleibt Runges Faible für außergewöhnliche Getränke mehr Hobby als Karriereoption. Mit dem Shaker in der Hand finanziert er sein Studium der Politikwissenschaf ten, ebenso ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung, für die er Marktwirtschaftsanalysen erstellt. Irgendwann lässt sich die Wahrheit nicht länger verdrängen: Hinter dem Tresen ist er in seinem Element, während er sich am Schreibtisch fehl am Platz fühlt. Kurz entschlossen hängt er das Praktikum an den Nagel, um sich gemeinsam mit ein paar Kollegen fortan der Herausforderung zu widmen, „eine richtig coole Barkultur zu initiieren.“ Obgleich die Konkurrenz groß ist, spricht sich sein Ruf als ebenso versierter wie experimentierfreudiger Bartender schnell herum; nach Stationen im „Das Schwarze Schaf“ in Bamberg und dem „Le Petit Coq“ leitet er seit 2018 das Team der Wolfram Bar & Terrace im Jaz in the City Stuttgart.

Bereut hat er den Entschluss für Cocktails und gegen Statistik kein einziges Mal: „Ich bin in einer Position, in der ich mich absolut wohlfühle. Es gibt keinen Grund, in die Marktwirtschaft zurückzukehren.“ Zumal auf seiner To-do-Liste noch einige sehr hochgesteckte Ziele auf ihre Umsetzung warten: „Ich habe mir vorgenommen, mit dieser Bar ein Zeichen auf die Deutschlandkarte zu setzen. Jeder Bargänger soll wissen: Bei uns stimmen nicht nur Gastlichkeit, Handwerk und Ambiente bis ins Detail, sondern wir geben alles dafür, dass unsere Gäste die Location nach einem rundum gelungenen Abend glücklich verlassen.“