Mit „Amerika“ gelingt dem 29-Jährigen ein fulminantes Romandebüt.

 

 

„Ich bin ein ganz normaler Typ. Eher Provinzler als Großstadtpflanze, mit einer Dauerkarte für den VfB und vielleicht ein wenig mehr Interesse an Literatur als andere“, sagt der gebürtige Backnanger auf die Frage, was für ein Mensch denn der hochgelobte Autor sei. Tatsächlich scheint es sich bei Letzterem um eine faust­dicke Untertreibung zu handeln, denn schnell wird klar, dass Literatur im Leben des Medienkaufmanns und studierten Buchwissenschaftlers eine Hauptrolle spielt. Ein Kindheitstraum ist die Schriftstellerei indes nicht. „Als Junge habe ich natürlich ,Harry Potter‘ gelesen und das ein oder andere Buch über Fußball. Der Wunsch, selbst zu schreiben, und damit auch das Interesse für Literatur, entwickelte sich aber erst in der Oberstufe.“

Wieland verschlingt Fitzgerald, Greene und natürlich Hemingway, „den Prototyp eines Erzählers“, und versucht sich nebenbei selbst an Kurzgeschichten und Romanen. Ihm schweben weder atemraubende Thriller noch blutrünstige Krimis vor. Ihn reizt der Gedanke, einfach eine gute Geschichte zu Papier zu bringen. „Ich wusste: Um zu überzeugen, muss ich über etwas Bekanntes schreiben. Die schwäbische Provinz lag also nahe. Auch hatte ich keine Story, die den Leser von sich aus mitreißt, also habe ich versucht, die Dinge auf eine neue Art wiederzugeben.“

Sein Thema ist die Widersprüchlichkeit von Erinnerungen, gemessen an realen Geschehnissen und er nutzt das Potenzial der Sprache, seiner Geschichte eine ganz eigene Dynamik zu verleihen – unaufgeregt und alltäglich auf der einen Seite, facettenreich und fesselnd auf der anderen. Dennoch zeigen sich Verlage unbeeindruckt von dem Machwerk; wie frühere Manuskripte kassiert „Amerika“ Absagen oder wird mit Missachtung gestraft. Erst als der Newcomer im Finale um den Blogbuster-Preis 2018 steht, gerät die Maschinerie ins Rollen.

„Es ist kein weltveränderndes Gefühl, „Amerika“ im Buchladen zu sehen, dazu gab es zu viele andere Meilensteine. Aber es ist allemal ein toller Anblick.“ Selbst die Lesungen, denen er anfangs mit Skepsis und einer Prise Angst entgegengesehen hat, weiß der frischgebackene Romancier mittlerweile zu schätzen.

Längst spukt dem „schwäbischen William Faulkner“, der seine Brötchen als Redakteur für Reiseliteratur und Sachbücher bei einem Stuttgarter Verlagsbüro verdient, der Plot für einen zweiten Roman im Kopf herum. Noch ist er weit weg vom Druck der Erwartung, ein mindestens ebenso gutes Zweitwerk zu kreieren, vorerst jongliert er mit Ideen und Herangehensweisen. „Häufig sind es flüchtige, zufällige Gedanken oder Begegnungen, aus denen ich meine Motive entwickle. Wenn die Welt beispielsweise bei einem großen Ereignis wie Nine Eleven still steht, frage ich mich, was passiert in diesem Moment an verschiedenen Orten im Kleinen?“ Erst später, in unzähligen Stunden am Schreibtisch bei zahllosen Tassen Kaffee, verbinden sich die einzelnen Bau­steine zu einem properen Ganzen.