Der Gründer des Dialogtheaters startet sein jüngstes Projekt „Flüchten und Ankommen“

 

 

Autor, Schauspieler, Bauchredner, Theologe, Persönlichkeitstrainer, die Liste von Müllers Berufen und Berufungen ist lang. Das mag daran liegen, dass er erst relativ spät im Leben den Mut fand, das eigene Potenzial auszuschöpfen – ein Spätentwickler halt, wie er sich selbst gern bezeichnet. Einzige Konstante, die Frage nach dem sprichwörtlichen „Sinn des Lebens“.

Müller setzt zunächst auf Theologie, entscheidet sich jedoch gegen den Beruf des Gemeindepfarrers, sondern arbeitet in der Krankenhausseelsorge, später in der Erwachsenenbildung. „Menschen verstricken sich oft in Lebensumstände, hadern mit Schicksalsschlägen, Verlusten und Ängsten. Mich fasziniert, welche Möglichkeiten sich durch konstruktive Zusammenarbeit ergeben und wie befreiend diese sein können.“ 2004 verschlägt ihn eine eigene Lebenskrise nach Stuttgart, wo er als freiberuf­licher Coach sein Geld verdient. Irgendwann entdeckt er die eigene Kreativität, und im gleichen Maße, wie diese immer stärker von ihm Besitz ergreift, wächst sein Wunsch, über den gesicherten Broterwerb hinaus neue Wege zu erkunden. Auch wenn oder gerade weil die Lebensmitte schon hinter ihm liegt.

„Ich verstehe mich durchaus als Suchender: nach dem Lebenswichtigen, nach Versöhnung mit dem Leben und mit sich selbst.“ Müller beginnt, Gedanken und Gefühle, Erfahrungen und Ideen niederzuschreiben. Mehrere Theaterstücke entstehen, von denen einige im Lauf von knapp vier Jahren zur Aufführung kommen, darunter ein Solostück. Parallel gründet er das DialogTheater. Doch das reicht ihm nicht, im Gegenteil: Ihm liegt daran, sich auszuprobieren – vor, hinter und auf der Bühne. „2014 habe ich mich schließlich getraut, mich öffentlich als Autor und Schauspieler zu präsentieren. Obwohl ich sehr nervös war, gehört der Abend zu meinen schönsten Erinnerungen.“

Mit der Zeit wächst die Erfahrung, beim Schreiben wie beim Spielen. Was sich dagegen kaum ändert, ist Müllers Intention. „Meine Stücke sollen Mut machen, man selbst zu sein. Sich heiklen Themen zu stellen, auch mal ein Scheitern zuzugeben, weil das eben Teil der eigenen Identität ist und zum Leben dazugehört. Oder ganz allgemein gesagt, sie fordern zum Querdenken auf.“ Zwar fühlt sich der Mann aus dem Bergischen eher im Drama zu Hause, aber da Humor eben sein muss, steht er auch mit Komödien wie „Liebe, Lust und Nervensägen“ auf der Bühne, zum Teil tatkräftig unterstützt von flauschigen Kollegen aus der Puppenkiste.

Derzeit arbeitet Müller auf Hochtouren an seinem jüngsten Projekt – dem Theaterstück „Flüchten und ankommen“ von, über und mit Flüchtlingen. Es soll Erlebnisse und Erfahrungen rund um das Thema Flucht zu einem bunten, vielfältigen Mosaik zusammenfügen – eine Brücke zwischen Einheimischen und Menschen, die nach Stuttgart gekommen sind, um hier eine neue Heimat zu finden. Wer Lust zum Mitmachen hat, kommt am 6. September um 18.30 Uhr, ins Mehrgenerationenhaus Heslach.