Die  Intendantin der Bachakademie fördert die Zusammenarbeit der Stuttgarter Kultureinrichtungen.

 

 

Arbeitsintensiv seien die ersten Monate in der neuen Position gewesen, aber wegen der Vielfältigkeit der Aufgaben auch sehr belebend, resümiert Katrin Zagrosek. Seit September letzten Jahres ist sie geschäftsführende Intendantin der Internationalen Bachakademie Stuttgart und damit unter anderem verantwortlich für die Neuausrichtung des Musikfests.

„Wir werden künftig mit anderen Stuttgarter Kultureinrichtungen, darunter die Staatsoper, die Stuttgarter Philharmoniker und das SWR Symphonieorchester, zusammenarbeiten. Überdies planen wir, verstärkt in den einzelnen Stadtteilen präsent zu sein. Veranstaltungen wird es unter anderem in den Wagenhallen und St. Maria geben.“

Der umfassende administrative Teil ihrer Position stellt eine Ergänzung zu ihren bisherigen Erfahrungen als Musikdramaturgin, Projektleiterin und Intendantin der Niedersächsischen Musiktage dar, den die 43-Jährige durchaus schätzt. „Indem ich meine Ansichten und Entscheidungen zur Diskussion stelle und nötigenfalls erfolgreich verteidige, gewinne ich wertvolle Multiplikatoren für die eigene Sache. Zudem erlebe ich die fach­liche Auseinandersetzung mit kritischen Instanzen, die oftmals gänzlich an­dere Werte vertreten, als sehr konstruktiv.“

Die Musik- und Kulturwissenschaftlerin weiß um die vielfachen Herausforderungen, die in naher Zukunft auf sie warten. Die Konzeption neuer, niederschwelliger Formate, um ein breiteres Publikum für das Angebot der Bachakademie zu interessieren, steht ebenso wie der Abbau von Vorurteilen und Klischees weit oben auf der To-do-Liste. „Häufig hapert es weniger an der Begeisterung für die Musik, sondern am ‚Veranstaltungs-Drumherum‘. Da müssen wir meiner Ansicht nach ansetzen.“

Aus diesen Überlegungen heraus hat die gebürtige Solingerin ein Projekt mit entwickelt, das sich abseits althergebrachter Formalien und Konventionen an den Bedürfnissen jüngerer Besucher orientiert und im kommenden Herbst an den Start geht: die von der Gaechinger Cantorey präsentierte mobile Konzertreihe „Hin und weg“.

„Bei diesem Format steht der Dialog zwischen Musikern und Zuhörern im Mittelpunkt. Durch Verzicht auf aufwendige Inszenierungen oder Unterbrechungen intensiviert sich das Musikerlebnis; rein räumlich hebt die mittig gelegene Bühne die übliche Distanz auf.“

Obgleich beruflich sehr eingespannt, hat die frisch Reigschmeckte ihre Entscheidung, von Niedersachsen ins Ländle zu ziehen, keinen Tag bereut. „Ich erlebe die Stuttgarter sehr herzlich und aufgeschlossen. Mit der schwäbisch-restriktiven Denkweise habe ich noch keine Erfahrungen gemacht.“

Wann immer es ihre Zeit zulässt, zieht es sie hinaus in die Natur. Die kleine Tochter sicher im Transportkasten des Lastenrads vor sich, haben es dem  Gespann besonders die  Jugendfarm in Botnang  sowie das angrenzende Waldstück mit kleinem Bachlauf angetan.