Am 1. September hat der Theologe den Vorstandsvorsitz der Evangelischen Gesellschaft (eva) übernommen.

 

 

„Eigentlich hatte ich als Dekan in Zuffenhausen mit der Diakonie im Kirchenkreis Stuttgart mein berufliches Traumziel erreicht“, gesteht der gebürtige Stuttgarter. Dass er dennoch auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden gewechselt ist, mag einer
Mischung aus Neugier und Pflichterfüllung geschuldet sein: „Ich wurde gebraucht in dieser Position, darum habe ich mich überzeugen lassen. Und natürlich reizt mich die Vielfältigkeit der neuen Aufgabe.“

Gemeinsam mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern ist er verantwortlich für sieben Fachabteilungen, deren Aufgaben von der Kinder- und Jugendhilfe über Hilfen für wohnungslose oder kranke Menschen bis hin zur Altenhilfe reichen sowie für die Aufsicht über die acht eva-Tochtergesellschaften. „Ich verstehe mich als guten Geist des Hauses, dem es obliegt, Menschen auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel miteinander ins Gespräch zu bringen.“

Dinge wie Verantwortung, Empathie, die Bereitschaft, Beistand und Hilfe zu leisten in Zeiten der Not, gehören zu den Grundpfeilern von Käpp­lingers Weltverständnis. Bereits als Jugendlicher engagiert er sich im Evangelischen Jugendwerk, absolviert nach dem Abitur ein Diakonisches Jahr in einem Altenpflegeheim und der Diakonischen Bezirksstelle Ludwigsburg. Das sozio-religiöse Interesse kommt nicht von ungefähr, denn schon in jungen Jahren muss sich der heute 55-Jährige mit Verlust und Leiden auseinandersetzen – eine Erfahrung, die nicht nur Fragen nach dem Warum herausfordert, sondern ihm die eigene Sterblichkeit vor Augen führt.

Dass er dennoch „an den Krisen wachsen“ konnte, verdankt er vor allem seinem Glauben, der ihm Orientierung und Halt beschert. Zugleich beeinflussen politische Ereignisse wie der Stuttgarter Herbst, die Friedensbewegung und vor allem das Vorbild, das der evangelische Pastor und Politiker Heinrich Albertz für ihn darstellt, den Jugendlichen. „Albertz stand in einer Zeit der Umbrüche für Recht und Ordnung ein. Das imponierte mir. Ich glaube, die christliche Lehre stellt eine gute Basis dar, der Welt zu begegnen.“ Wenig überraschend wählt Käpplinger den Beruf des Pfarrers.

Trotz Energie und viel gutem Willen kennt er angesichts der breiten Lücke, die oft genug zwischen dem theoretisch Machbaren und der praktischen Umsetzung klafft, das Gefühl, vor einer Sisyphus-Aufgabe zu stehen, nur zu gut. „Unterstützungs- und Verbesserungsbedarf gibt es reichlich. Ein Beispiel: Wir leben in verhältnismäßigem Reichtum, dennoch schaffen wir es nicht, dass alle Kinder einen Schulabschluss machen“, so der vierfache Familienvater. In einer Zeit der politischen und sozialen Herausforderungen, in der immer mehr Menschen die Angst vor dem Abstieg treibt, fordert er ein generelles Umdenken: „Es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft, Sorge zu tragen, dass niemand ausgeschlossen bleibt“, so sein Appell an jeden Einzelnen. „Die Würde des Menschen setzt Teilhabe voraus.“