Zukünftig wollen sich die Gewinner des Deutschen Gründerpreises 2017 verstärkt auf dem E-Bike-Sektor engagieren.

 

 

„Das Fahrrad gehört zu den wenigen Produkten, die damals wie heute brandaktuell sind“, sagt Christoph Lermen mit Blick auf die 200 Jahre, die seit Karl Drais’ Fahrrad-Vorläufer vergangen sind. Entspannt sitzen er und Kollege Michael Schmitz, ein dunkelhaariger Enddreißiger mit jungenhaftem Lächeln, im Besprechungsraum ihrer Firma Pinion in Denkendorf. Schmitz nickt. „Ich halte die Entwicklung, die die Mobilität per pedales durchgemacht hat, für sehr spannend.

Als Transport- und Fortbewegungsmittel konzipiert, finden wir es heute im Sport, in der Freizeit und nicht zuletzt aus ökologischen und ökonomischen Gründen auch zunehmend im Berufsalltag.“ Tatsächlich basiert sowohl die Freundschaft der beiden als auch ihre gemeinsame Firma auf Drahteseln.

Wie so oft beginnt auch ihre Erfolgsstory mit einem Zufall: Beide absolvieren gleichzeitig ein Praktikum in der Entwicklungsabteilung des Porsche-Konzerns. Schnell finden die angehenden Ingenieure Gemeinsamkeiten, plaudern über Mountainbikes im Allgemeinen und unbefriedigende Fahrradantriebe im Besonderen. Dann ein Geistesblitz: warum nicht die Getriebetechnik der Autoindustrie auch im Fahrrad einsetzen? Spontan läuft die Fantasie auf Hochtouren, erste Ideen nehmen vage Gestalt an.

„Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und am anderen Morgen waren die Weichen gestellt“, erinnert sich der 34-jährige Lermen. Was als Freizeit­beschäftigung beginnt, nimmt schnell Fahrt auf: Zwei Jahre experimentiert das Duo mit Konzepten und Designs, meldet mehrere Patente an, gründet ganz nebenbei die eigene Firma, steckt Rückschläge ein und lässt sich doch nie entmutigen. „Dazu war der Enthusiasmus viel zu groß, zumal nach jedem Rückschritt neue Ideen folgten.“ Schmitz ergänzt: „Durchhaltevermögen, Talent und ein hoher Anspruch an sich selbst und an das Produkt hat’s schon gebraucht. Aber wir haben uns als gute Sparringpartner erwiesen, weil wir uns gegenseitig inspirieren und motivieren können.“

Heute beliefert Pinion rund 90 Fahrradhersteller, beschäftigt mehr als 30 Angestellte. Die Nominierung für den Deutschen Gründerpreis 2017 und den Innovationspreises des Landes Baden-Württemberg, Kategorie Aufsteiger, stellt trotzdem mehr als eine finale Bestätigung dar, wenngleich weniger für die Initiatoren. „Der Erfolg gebührt dem ganzen Team, denn jeder hat seinen Teil dazu bei­getragen.“

Einen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, sehen Schmitz und Lermen indes nicht; Raum für Verbesserungen gäbe es schließlich immer. „Wir arbeiten daran, das Gewicht unserer Getriebe weiter zu reduzieren. Außerdem reizt uns natürlich der E-Bike-Sektor.“ Daneben lockt die Sehnsucht, nach der intensiven Gründungsphase, in der Personalfragen, Finanzierungspläne, Marketingstrukturen und Ähnliches ihre Aufmerksamkeit beanspruchten endlich wieder Zeit und Muße für das Wesentliche zu haben: das Tüfteln.