Der Kammersänger steht in Benjamin Brittens „Der Tod in Venedig“ auf der Bühne.

 

 

Nein, der Beruf Opernsänger sei nicht die Erfüllung eines Kindheitstraums, so der schlaksige Dunkelhaarige mit dem ansteckenden Lachen. Eher habe sich der Beruf fast zwangsläufig ergeben, als in der Schule die Wahl des Leistungskurses Musik zunächst zum Gesangsunterricht und später zu ersten Auftritten mit und ohne Schulband führte. „Außerdem stamme ich aus einem musikalischen Haushalt. Meine Eltern, beide Chorsänger, haben mich schon in der Kindheit an Musik herangeführt. Tatsächlich erfolgte meine erste Begegnung mit der Oper bereits im Alter von drei Jahren.“ Sehr beeindruckt sei er wohl nicht gewesen, fügt er augenzwinkernd hinzu, den größten Teil der Aufführung habe er nämlich friedlich verschlafen.

Seitdem sind über 40 Jahre vergangen, in denen sich Klink im wahrsten Sinne eine Stimme verschaffte; heute gehört der Fellbacher zur Riege der international gefragten Tenöre im Opern-, Konzert- und Liedbereich. Glücklicherweise, denn einen Plan B für
den Fall des Scheiterns gab es nie. Exzentrisch sei er dennoch nicht, warte auch nicht mit Starallüren oder absonderlichen Ritualen auf. „Um in meine Aufgabe einzutauchen und das darzustellen, was ich gemäß Rolle nach außen zu projizieren habe, brauche ich vor allem Konzentration und innere Einkehr.“

In der Konsequenz beginnt er schon mittags, sich auf die vor ihm liegende Aufgabe vorzubereiten: zunächst ein Mittagsschlaf, dann das Einsingen, schließlich die frühe Fahrt zur Stätte seines Wirkens, wo er die Zeit bis zum Öffnen des Vorhangs damit verbringt, ruhelos die Gänge der Oper auf der Suche nach einem abgeschie­denen Plätzchen zu durchstreifen. „Die Angst vor einem Missgeschick, dass ich den Text vergesse, lachen oder husten muss, ist stets präsent. Aber mit der Erfahrung tritt eine gewisse Gewöhnung ein, eine größere Reife, auch kritische Situationen souverän zu meistern.“ Die er bisher glücklicherweise noch nicht oft erlebt habe, ergänzt der 49-Jährige mit einem Stoßseufzer.

Abseits der Bühne sieht sich der zweifache Familienvater, dessen privater Musikgeschmack weniger von Klassik als von psychedelischem Rock geprägt ist, der Aufgabe gegenüber, eine inter­nationale Karriere mit einem normalen Familienleben zu verknüpfen. „Als freischaffender Künstler hat mich diese Gratwanderung viel Kraft gekostet. Irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, den Beruf anders leben zu wollen.“

Seit er 2014 festes Ensemblemitglied der Oper Stuttgart wurde, lassen sich auswärtige Verpflichtungen besser managen. Überdies schätzt Klink die hiesige Opernklientel: „Das Stuttgarter Publikum setzt sich kritisch mit musika­lischen Strömungen auseinander, steht Neuem aber sehr aufgeschlossen gegenüber, was ich persönlich hoch achte.“ Kein Wunder, schließlich fühlt auch Klink sich von neuen Herausforderungen angezogen, egal, ob es sich um eine bekannte Rolle in moderner Inszenierung oder um eine Erweiterung seines bisherigen Repertoires handelt.