Scharfsinnig und scharfzüngig fordert der Kabarettist und Liedermacher sein Publikum heraus.

 

 

„Als Kind faszinierten mich Serien wie ‚Timm Thaler’. Folglich wollte ich Schauspieler werden, um wie die Protagonisten im Film in ganz verschiedene Rollen zu schlüpfen“, erinnert sich Matthias Weiss und lässt ein kurzes Lachen hören. Der Schwenk kommt mit Ende der Schulzeit, statt von Schauspielerei träumt der Abiturient nun von einer Karriere als Berufsmusiker. Auf der Suche nach einer Anstellung als Barpianist zieht der gebürtige Filderstädter und Wahl-Remstaler, der bereits als Siebenjähriger Klavierstunden bekommt, nachdem er zuvor die Übungsstücke seines großen Bruders allein nachgespielt hat, alle Register und hat schließlich Glück. „Mit 18 bekam ich durch Zufall den Job des Klavierspielers im Perkins Park. Obwohl ich da total unvorbereitet reinschlitterte, war es so etwas wie eine Wunscherfüllung.“

Jahre vergehen, in denen der heute 43-Jährige als Bandmusiker um die Welt tourt und Kompositionen für Werbung, Theater und Film kreiert. Parallel entdeckt er seine Liebe zur Sprache neu, schreibt Kurzgeschichten und liest Schoppenhauer und Nietzsche. Nonchalant zuckt der große Blonde die Schultern. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit war, nicht nur immer in der zweiten Reihe zu stehen. Ich beschloss, mit einem Soloprogramm ins Scheinwerferlicht zu treten.“ Nach gründlicher Vorbereitung wagt er 2011 in der Stuttgarter Rosenau den Sprung ins kalte Wasser - ein fast magischer Moment, wie er noch heute schwärmt, denn sofort springt der Funke zwischen ihm und dem Publikum über.

In den folgenden Jahren mehren sich die Auftritte, gleichzeitig verändern sich Anspruch und Stil: Die einst belanglosen Lieder verführen nun mit Tiefgang zum Höhenflug. Stumpf-stupide Schenkelklopf-Komik, die ihr Ziel oberhalb des Kragens oder unterhalb der Gürtellinie findet, überlässt er anderen. Er möchte sein Publikum weniger zum Johlen als zum Nachdenken anregen, und dafür ist jedes stilistische Mittel recht: oft feinsinnig, gelegentlich beißend ironisch, virtuos verklausuliert oder gespickt mit schwarzem Wortwitz entlarvt er Inkonsequenz und Lebenslügen. „Ich halte den Zuhörern den Spiegel vor, um sie zur kritischen Auseinandersetzung darüber anzu­regen, was im Leben wirklich zählt. Aber weder her­ablassend noch mit erhobenem Zeigefinger.“

Und so philosophiert er über die Schönheit von Wind- versus Atomkraft­anlagen, die Manipulationen der Werbe- und Marketingindustrie und den unsinnigen Trend, die Straßen der Stadt mit SUVs zu verstopfen. Dass er damit längst nicht bei jedem gut ankommt, akzeptiert er als Preis, den er zu zahlen hat für das Privileg, öffentlich seine Meinung zu sagen. „Ohnehin bin ich eher ein introvertierter Typ, dem das sprichwörtliche Bad in der Menge wenig liegt. Aber wenn jemand nach der Vorstellung mit positivem Feedback oder kon­struktiver Kritik kommt, empfinde ich das durchaus als bereichernd.“

 

Weitere Infos und Termine auf der Homepage: www.matthiasweiss.online.