Der Leiter des KJH Stammheim betreut bereits die dritte Nachwuchsgeneration im „Saurier-Haus“.

 

 

Endlich Sommerferien, da haben nicht nur Straßen, Freibäder und Eisver­käufer Hochbetrieb, sondern auch Einrichtungen für „Daheimgebliebene“ der jüngeren Generation wie Waldheime, Jugendfarmen und Jugendhäuser. Eines der Letztgenannten steht in Stammheim und ist nicht nur wegen seines Äußeren in Form eines Dinosauriers ein echter Hingucker. Ja, es lohnt sich auch ein Blick hinter die Kulissen sozusagen in den Bauch des vor 30 Jahren von Architekt Professor Peter Hübner entworfenen Saurier-Hauses.

„Micha, wo sind die Fußbälle, die Schminksachen, die Tischkicker?“ oder „Wann geht es los mit dem Ausflug“ – so schallt es in diesen Ferientagen fast im Minutentakt durch die Räume des Stammheimer Kinder- und Jugendhauses an die Adresse des Leiters Michael Klamm, der trotz allen Trubels und Hektik gelassen bleibt, weil er stets weiß, wie der ungeduldige Nachwuchs zu behandeln ist. Kein Wunder auch, wenn man bedenkt, dass der 56-jährige Sozialpädagoge die Einrichtung seit ihrer Inbetriebnahme vor über 25 Jahren ohne Unterbrechung geleitet hat.

Klamm startete seine Karriere in der Jugendarbeit sozusagen als Seiteneinsteiger. Über die Stationen Maurerlehre, Bautechnischer Assistent und Zivildienst entschloss er sich zum Studium der Sozial­pädagogik und sammelte nebenher nützliche Erfahrungen als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Stadtjugendring. Klamm erinnert sich noch gut an seine Anfänge am Stammheimer Marco-Polo-Weg. „Der Bau war nur in Teilen fertig, aber dafür gab es bereits einen rüh­rigen Förderverein, der mir den Anfang sehr erleichtert hat und bis heute ein unverzichtbarer Partner ist“, lobt Klamm die ehrenamtliche Insti­tution, ohne die es das „Saurier-Haus“ in seiner heutigen Form wahrscheinlich nicht geben würde.

Und natürlich auch kein so umfangreiches wie vielseitiges Angebot für die junge Generation von 6 bis 18 Jahren. Dazu gehören bestens funktionierende internationale Partnerschaften mit Freizeiten von Wales über Russland bis Griechenland. Der
offene Bereich bietet neben Sport und Spiel auch Beratungs- und Erziehungsarbeit. Bestens vernetzt zeigt man sich mit Schulen, Jugendtreffs, der Polizei und vor allem mit der Stammheimer Bevölkerung, was sich in dem seit Jahrzehnten ungebrochenen Interesse an die vielen kulturellen Events im und ums Jugendhaus niederschlägt. Getoppt wird das Ganze durch den vom Förderverein und Jugendhaus ins Leben gerufenen „Stammheimer Kindergipfel“ am Weltkindertag, der in Stuttgart sowohl in puncto Umfang wie Inhalt seinesgleichen suchen muss. Hier stellen sich alljährlich Politiker den Fragen und Wünschen des örtlichen Nachwuchses. Damit es nicht bei leeren Worten bleibt, werden die Volksvertreter im Jahr darauf öffentlich an ihren Versprechungen und Taten gemessen.

Misst man Michael Klamm an seinen Taten, das heißt an seiner Arbeit, die er zusammen mit drei Mitarbeiter/innen tagtäglich seit nunmehr 25 Jahren mit gleichbleibender Energie bewältigt, so lässt sich das Ergebnis am besten im lokalen „Standing“ ablesen, wo das Kinder- und Jugendhaus zu den beliebtesten Einrichtungen im Stadtbezirk zählt. Daran hat sich auch in der bereits dritten Ge­neration von Kindern und Jugendlichen, die Michael Klamm unter seiner Obhut hat, nichts geändert.

Dagegen gibt es sicher Unterschiede zwischen den Kindern und Jugendlichen der 1990er Jahre und der heutigen Digital-Multikulti-Generation. „Natürlich haben die Kids von 2017 allein schon wegen der heutigen Schularten wie z. B. Glanztagsschule mit Kernzeitbetreuung ein anderes Freizeitverhalten“, bestätigt Michael Klamm. Während man sich früher automatisch am freien Nachmittag im Jugendhaus einfand, bedarf es heute einiges an Planung, um sich die knapp gewordenen Freistunden richtig einzuteilen. Darauf hat sich Klamm mit seinem Team längst eingestellt und das Programm auf die heute wesentlich kürzere Verweildauer der „Kundschaft“ im Jugendhaus abgestimmt. Dazu gehört auch das Eingehen auf deren geänderte Zusammensetzung (mehr als die Hälfte mit Migrationshintergrund).

Erstaunlicherweise überwiegen aber die Gemeinsamkeiten – trotz Smartphone, Facebook oder Whatsapp. Als Beispiel nennt der Jugendhaus-Leiter die heute wie damals beliebten Spiel- und Sportarten wie Tischtennis, Tischkicker oder der Kick auf dem hauseigenen Tartanplätzle. „Die gehen immer“, erklärt Klamm, um kurz danach selbst zu gehen, eben auf jenes Tartanplätzle, wohin ihn der zwölfjährige Jonas gerade mit den Worten „Micha, wir brauchen dich“ als
Ersatzspieler abkommandiert hat. Und nicht nur da können die Stammheimer Kids aus dem Saurier-Haus wohl noch lange auf ihren so jung gebliebenen Dino Michael Klamm zählen.