Die studierte Sozialpädagogin leitet die eva-Abteilung „Dienste für Kinder, Jugendliche und Familien in Stuttgart“.

 

 

Wer Michaela Angerer nach ihren Hobbys fragt, bekommt ein kurzes „Ich bin gerne draußen“ zu hören, was Bergsteigen, Kletter- und Trekking-Touren und – als Alternative zu Alb und Alpen – den heimischen Garten umfasst. Weit detaillierter ist die Antwort auf die Frage, was ihr in ihrem Leben wichtig ist. „Ich habe aufgehört, in Entweder-oder-Kategorien zu denken. Familie, Beruf und persönliche Bedürfnisse stellen gleichwertige Bestandteile meines Alltags dar.“

Darüber hinaus interessiere sie sich für Menschen, vor allem solche, deren Leben aus den Fugen geraten ist. Ihnen hilft sie, wieder Fuß zu fassen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen. „Es zeugt von Stärke, wenn jemand einräumt, Hilfe zu benötigen. Entsprechend versuche ich, in kritischen Situationen konkrete Unterstützung anzubieten und individuelle Lösungen zu finden, die das Wohl
aller im Blick haben.“

Tatsächlich sind für Angerer „Menschen, die auf der Suche sind“, Beruf und Berufung zugleich. Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus, macht die heute 48-Jährige bereits als Teenager Bekanntschaft mit der christlichen Jugendarbeit, entschließt sich nach dem Abitur für ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kurzentrum für krebskranke Kinder und ihre Familien. Als sie während des Studiums eher zufällig mit der Evangelischen Gesellschaft (eva) in Berührung kommt, stellen sich die Weichen für die Zukunft fast von allein: Erst als Referentin des Vorstands für Kinder- und Jugendhilfe, dann als Leiterin des Bereichs Erziehungsstellen und nun als Abteilungsleiterin „Dienste für Kinder, Jugendliche und Familien in Stuttgart“ tut sie das, was ihr so wichtig ist: Verantwortung übernehmen für das Wohl der Mitmenschen.

„Ich empfinde meine Arbeit als sinnstiftend“, so die zierliche Brünette bescheiden. Den Schattenseiten begegnet sie mit einer Mischung aus Professionalität und Fatalismus: Man lerne, mit der Belastung umzugehen und nicht alles persönlich zu nehmen. Das neue Aufgabengebiet der gebürtigen Stuttgarterin umfasst die sozialräumlichen Hilfen zur Erziehung in diversen Stuttgarter Stadtbezirken sowie die Schwangerenberatung und die Frühen Hilfen. Angerer weiß, dass damit eine große Verantwortung auf sie zukommt, fühlt sich aber durch ihre Vita gut mit Aufbau und Aufgaben der eva vertraut und ausreichend für die Nöte und Bedürfnisse ihrer Klientel sensibilisiert.

„Noch bin ich in der Orientierungsphase“, sagt sie schmunzelnd. „Glücklicherweise habe ich sehr verständnisvolle Mitarbeiter, die mich wohlwollend ankommen lassen.“ Leise Sorge weckt eher das Risiko, als Mitglied der Führungsebene den Kontakt zur Basis zu verlieren, der ihr zufolge zwingend für nachhaltige Entscheidungen ist. „Schon um so etwas zu vermeiden, empfiehlt es sich, das eigene Handeln zu reflektieren und neue Prozesse aufmerksam zu verfolgen.“