Die Volksschauspielerin schätzt das Privileg, das Publikum zum Lachen bringen zu dürfen.

 

 

„Ich wollte nie etwas anderes sein als Schauspielerin“, konstatiert die kleine, schlanke Brünette so resolut, dass etwaige Nachfragen im Keim ersticken. Tatsächlich enthält Hirschles Vita einige Beispiele, mit welcher Leidenschaft sie ihren Traum verfolgt – unter anderem gibt sie als junge Frau ohne Sicherheitsnetz und ungeachtet möglicher Konsequenzen den ungeliebten Job als Augenoptikerin zugunsten der brotlosen Künste auf. „Ich bin im Kleinen Pessimist, im Großen aber Optimist“, zitiert sie Loriot. Angst und Unsicherheit kenne jeder Freiberufler, trotzdem habe sie ihre Entscheidung für die Bühne nie bereut. „Ich vertraue stets darauf, dass sich am Ende alles zum Guten wendet. Und das hat bisher ja auch funktioniert.“ Nicht zuletzt, weil die gebürtige Stuttgarterin es verstanden hat, sich breit aufzustellen: Neben Theaterrollen wirkt sie in TV- und Kinoproduktionen mit, arbeitet als Regisseurin und Autorin, zementiert sich mit zahlreichen Hörspielen sowie der Figur Elfie Eisele in das Gedächtnis der Radiohörer.

Dass sie dennoch immer wieder zur Bühne zurückkehrt, liegt in der Natur der Sache, denn „das Theater ist nun mal die Mutter aller Schauspielerei, direkt und unmittelbar“. Ursprünglich eher durch Zufall in das Genre gerutscht, schätzt Hirschle ihr Image als Mundart- Schauspielerin längst als Auszeichnung und praktiziert „das Schwäbische“ als Hommage an Heimat, Land und Leute und last but not least an deren schrullig-amüsante Eigenheiten. „Unser Selbstverständnis hat sich gewandelt, wir sind moderner geworden. Heute können wir über die Klischees vom geizigen, maulfaulen, eigenbrötlerischen Schwaben lachen.“ Das Privileg, den Zuschauern augenzwinkernd einen Spiegel vorzuhalten und dafür ein herzliches Lachen zu ernten, hat während ihrer langen Karriere ebenso wenig an Reiz eingebüßt wie der direkte, spontane Kontakt zum Publikum. „Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn mir Leute auf der Straße entgegenkommen, stutzen und schließlich lächelnd mit einem ‚Gell, Sie sen’s?‘ grüßen“, erzählt sie mit Verweis auf ihr aktuelles Soloprogramm.

Darüber hinaus spielt sie demnächst wieder den „Knochenkarle“, die schwäbische Fassung des Brandner Kaspars, im Theater der Altstadt. Eine ihrer Lieblingsrollen, so es solche gibt: „Eigentlich sollte jede Rolle Lieblingsrolle sein. Tatsächlich liebe ich diese Figur besonders, weil sie von Tragik bis Komik alles vereint.“ Nach 40 Jahren Schauspielerei rückt der Ruhestand in Sicht. Ein Fakt, dem die 62-Jährige ambivalent gegenübersteht. Einerseits lockt das „süße Nichtstun“ mit Gartenarbeit, langen Spaziergängen und Regalen voller Lesestoff, andererseits fürchtet sie, dass ihre Freunde recht haben könnten, wenn sie „Ohne Arbeit hältst du es doch keine sechs Wochen aus!“ unken. „Es wird sich zeigen. In jedem Fall freue ich mich auf die Freiheit, Nein sagen zu können.“ Noch bis zum 8. März ist Monika Hirschle im Mundartstück „Koi Auskomma mit dem Eikomma“ in der Komödie im Marquardt zu sehen. Die schwäbische Fassung der Komödie von Fritz Wempner stammt von ihr.