Der Autor und Blogger von „Unnützes Stuttgartwissen“ begeistert mit Geschichten rund um die Landeshauptstadt.

 

„Ich bin ein Gewohnheitstier. Es gibt gewisse Fixpunkte, die mein Leben strukturieren, aber in der Peripherie herrscht üblicherweise Chaos, da ich mich schnell langweile und meine Interessen entsprechend häufig wechseln.“ Ob es die heimische Wohnung betrifft oder die Nebenjobs, solange soziales Umfeld und Finanzen stimmen, bleibt der 37-Jährige gerne in Bewegung – im übertragenen wie im wortwörtlichen Sinn. Entsprechend trifft man ihn mit seiner Clique überall in der Stadt: im
Lapidarium, auf der Karlshöhe und dort, wo tolle Stadtansichten das Herz höherschlagen lassen.

„Ich interessiere mich für Stuttgarts Geschichte, also untermale ich unsere Spaziergänge mit Erzählungen und Anekdoten über vergangene Ereignisse, Gebäude, Parks oder was mir gerade in den Sinn kommt. Damit ich es nicht jedem meiner Freunde erzählen muss, beschloss ich, die Sachen online zu stellen.“ Gesagt, getan, Mikolaj veröffentlicht „Unnützes Stuttgartwissen“ auf Facebook und löst damit einen regelrechten Hype aus. Heimatliebe und Lebenslust in der „herben Schönen“ liegen plötzlich voll im Trend. Mikolaj wird von seiner plötzlichen Bekanntheit eiskalt überrascht.

Plötzlich stehen die Medien vor der Tür, wollen Interview, Fotos, Filmaufnahmen – eine Qual für den schmalen Blonden. „Ich bin von Natur aus schüchtern. Auf Menschen zuzugehen, sie spontan anzusprechen oder mich ihnen zu präsentieren, ist gar nicht mein Ding. Glücklicherweise trat irgendwann eine gewisse Gewöhnung ein.“ Das Interesse an seiner Person bringt auch Vorteile mit sich: eine gute Vernetzung, die der weiteren Vermarktung seiner Idee zuträglich ist und dazu beiträgt, dass der gelernte Einzelhandelskaufmann ein zweites Standbein als Autor und Blogger etabliert.

Mittlerweile gibt es neben dem Blog diverse Bücher, darunter die Serien „Unnützes Stuttgartwissen“ und „Stuttgarterle“, eine App und sogar geführte Stadttouren. „Es wird zunehmend mühselig, an neue Infos zu kommen, aber das Thema bleibt spannend. Man muss eben die Lücken suchen.“ So wie mit dem neuen Werk „Stuttgart to go – Ein Spazierbuch“, das gerade erschienen ist. Dass er mit Blog und Büchern ins Leserherz trifft, überrascht den in Kirchheim unter Teck geborenen Wahlstuttgarter wenig. „Die Stadt hat ein Imageproblem. Bis vor einigen Jahren sah niemand die eigenen Stärken, immer war es woanders besser. Langsam entwickelt sich ein gewisser Eigenstolz, entsprechend riesig ist der Nachholbedarf.“

Mikolajs persönliches Verhältnis zur Landeshauptstadt ist von einer gewissen Hassliebe geprägt. Zwar schätzt er die Gegensätzlichkeit, die extremen Kontraste, die Feinstaub und Grünes U friedlich koexistieren lassen, andererseits verzweifelt er an Inflexibilität und Innovationsarmut. „Es fehlt im Rathaus an Visionen, das blockiert viele Entwicklungen. Man vergleicht sich mit New York und handelt wie Deizisau.“