Der Sprachakrobat bringt mit komischen Wortspielereien sein Publikum zum Jubeln.

 

 

Mit „komischen, in aufwendige Gedichtepen verpackten Wortspielereien“ bringt der Sprachakrobat sein Publikum zum Jubeln. „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir meinen Beruf ohne das Herumreisen. Weil man dadurch viel Lebenszeit verschenkt und ich das Gefühl habe, dass es die Menschen mit jedem Tag aggressiver macht.“

Für Scharrenberg, der seit sieben Jahren als hauptberuflicher Poetry-Slammer und literarischer Kabarettist durch Deutschland tourt, ist es der einzige Wermutstropfen in einem Business, das ihm wie auf den Leib geschnitten scheint: den sprachvirtuosen Rheinländer fasziniert die fast uferlose Vielseitigkeit des Genres, die es ihm erlaubt, sich ganz ungehemmt der ganzen Bandbreite sprachlicher und darstellerischer Ausdrucksformen zu bedienen. Er tut es mit Lust, Leidenschaft und klaren Grenzen: „Ich liebe die Provokation und die Interaktion mit dem Publikum, aber ich mache mich auf der Bühne nie ganz nackt. Ein gewisser Schutzraum muss bleiben.“

Der 41-Jährige hat seine Nische gefunden, besticht durch locker-lässig klingenden Wortwitz, dem neben einer Prise Talent harte Arbeit zugrunde liegt: das „Vertonen“ einer Idee, die Suche nach zündenden Formulierungen, das Feilen an Pointen und last but not least das stetige „Abschmecken“ des Textes. Seine Themen greifen persönliche Erlebnisse ebenso auf wie gesellschaftliche Trends; seine Art, sie rüberzubringen, veranlasst Kritiker zu Lobeshymnen und Jurys zum Verleih diverser Auszeichnungen. Scharrenberg freut sich über den Zuspruch, besonders über den Gewinn der deutschsprachigen Meisterschaften 2016 in Stuttgart, wo er zehn Jahre zuvor seine Karriere startete und „sich der Kreis mit dem Sieg irgendwie schloss“.

Darüber hinaus bleibt der Dunkelhaarige mit dem sympathischen Lächeln lieber auf dem Boden der Tatsachen: „Preise sind kein Indikator für Erfolg. Und ein Qualitätsmaßstab sind sie schon gar nicht.“ Tatsächlich lässt er selbst bei der Interpretation der Publikumsreaktionen äußerste Zurückhaltung walten, denn mehr als einmal hat sich seine Wahrnehmung als falsch geoutet. „Bei jeder Vorstellung gibt es einen Zuschauer, dessen unbewegte Miene mich herauszufordern scheint, ihm ein Lachen
zu entlocken. Kurioserweise kommt oft gerade der nach der Vorstellung zu mir, um sich für den gelungenen Abend zu bedanken.“

Den verbreiteten Vorwurf, dass das Interesse an Poesie gerade bei jüngeren Leuten gen null tendiert, kann Scharrenberg nicht nachvollziehen: „Seit mehr als zehn Jahren liegt die Lyrik-Vortrag-Schauspiel-Mixtur des Poetry-Slam voll im Trend, trifft sprachlich und thematisch exakt den Zeitgeist. Das wird sich so schnell nicht ändern.“ Obgleich beruflich wie privat einiges in seinem Leben im Umbruch ist und derzeit keine spruchreifen Langzeitzukunftspläne existieren, macht er sich wenig Sorgen, einmal arbeitslos zu werden, denn an neuen Ideen herrscht kein Mangel: Er liebäugelt mit Hörspielen, Radiocomedy, einem Roman – die ersten Ansätze gibt es schon.

Tipp: Scharrenberg tritt am 15. April 2018 in der Rosenau Stuttgart auf.