Seit einem halben Jahr hat im Verwaltungszentrum der katholischen Kirche eine Frau die Zügel in der Hand.

 

Diplom-Verwaltungswirtin Regina Neuhöfer, in schwarzer Jacke und signalrotem Kleid, das überraschend gut mit ihrer goldbraunen Haarfarbe harmoniert, lehnt sich entspannt in ihrem neuen Büro zurück. „Mir gefiel die abwechslungsreiche Arbeit am Rathaus Korntal- Münchingen, wo ich den Fachbereich ‚Familie, Bildung & Soziales‘ leitete, sehr gut. Aber nach 22 Jahren wollte ich meine bisherigen Erfahrungen neu erproben und weiterentwickeln.“ Die ersten Monate seien wie im Flug vergangen, trotzdem hätte sie sich dank eines tollen Teams schon umfassend mit den Aufgaben der neuen Wirkungsstätte vertraut gemacht. Obwohl die 46- Jährige ihre Karriere engagiert vorangetrieben hat und sich an der richtigen Stelle sieht, Verantwortung zu übernehmen und die Geschicke der katholischen Einrichtungen in der Stadt mitzugestalten, hätte sie sich diese Position dennoch nie träumen lassen. Wie viele Mädchen liebäugelt sie als Kind mit der Tiermedizin, sieht sich als Retterin gequälter Kreaturen. Als Jugendliche verlagert sich das Interesse in Richtung Zweibeiner – als Richterin möchte sie für Recht und Gerechtigkeit sorgen, doch das Ziel scheitert am damaligen Numerus clausus. Stattdessen realisiert sie Plan B und studiert öffentliche Verwaltung an der Hochschule Kehl. 22 lehrreiche Jahre in der Kommunal verwal tung schließen sich an, zuerst als persönliche Mitarbeiterin des für Liegenschaften zuständigen Amtsleiters, dann als Leiterin der Stabstelle des Bürgermeisters und ab 2012 schließlich als Fachbereichsleiterin.

„Ich glaube, ich bin eher ein Mensch für den zweiten Blick“, gesteht die gebürtige Freiburgerin mit dem sympathischen Lächeln. Als ahne sie die unausgesprochene Frage, fügt sie erklärend hinzu, dass sie für gewöhnlich eher ruhig im Hintergrund zu finden sei, anstatt die erste Reihe für sich zu beanspruchen. „Leute, die Zeit und Lust haben, genauer hinzusehen, stellen fest, dass ich eine sehr aufrichtige Person bin, die ihren Mitmenschen viel Interesse und Empathie entgegenbringt.“ Obschon soziales Engagement eine entscheidende Rolle in Neuhöfers Alltag spielt, hat sie bei berufsbezogenen Belangen gelernt, professionelle Distanz zu wahren, besonders wenn die Schere zwischen Ideallösung und Realisierbarem zu weit klafft. „Natürlich hinterfrage ich in kritischen Situationen, ob ich etwas hätte besser machen können. Schlaflose Nächte sind trotzdem selten.“ Den Herausforderungen ihrer neuen Position begegnet Neuhöfer neugierig und pragmatisch zugleich: „Wir sind Dienstleister für die Einrichtungen der katholischen Kirche. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Haushaltspläne des Stadtdekanats und der Gemeinden zu erstellen, die kirchlichen Liegenschaften zu verwalten und die Standortentwicklung an- zupassen.“ Schmetterlinge im Bauch ob der Verantwortung, nicht zuletzt für rund 1500 Mitarbeiter, hat sie nicht. „Der kirchliche Kontext ist zwar neu, aber Verwaltung ähnelt sich überall.