Obgleich er zu den erfolgreichsten deutschen Fotografen gehört, bleibt der gebürtige Bad Cannstatter ganz bescheiden.

 

 

„Das große Weinbuch Baden-Württemberg“ heißt Bauers jüngstes Projekt und es überzeugt ihn gleich aus mehreren Gründen: „Der naturnahe Ansatz zeigt einerseits die Bedeutung, die Wein für unsere Kulturlandschaft hat, anderseits die Arbeit junger Winzer, die alte Sorten und Lagen wiederentdecken und damit mutig etwas Neues kreieren.“ Darüber hinaus rührt das Thema an kostbare Kindheitserinnerungen: an die Arbeit im familieneigenen Weinberg, an die Mutter, wie sie damals die Lesehelfer ablichtete. „Vielleicht war es ja meine Mutter, die damit die Saat meiner Leidenschaft für die Fotografie gelegt hat“, sagt er nachdenklich.

Diese Zeiten sind passé, längst hat sich der begeisterte Fotoamateur von einst zum international gefragten Berufsfotografen gemausert. Dass es auf dem Weg zum Traumberuf so manchen Umweg gab, sieht er heute als Vorteil: „Ich habe das Handwerk von der Pike auf gelernt und konnte meinen eigenen Stil entwickeln, ohne von anderen beeinflusst zu werden.“ Bereits die erste Ausstellung mit Fotos seiner Abschlussarbeit im Studienfach Fotodesign, die das Aussterben bäuerlicher Lebensformen in Hohenlohe thematisiert, überzeugt Kritiker wie Publikum.

„Meine Frau und ich hatten uns auf der Suche nach Ursprünglichkeit und Selbstversorgung gerade dort niedergelassen. Mich faszinierten diese Menschen, ihr wortloses Miteinander, die klaglose Anpassung an Gegebenheiten.“ Schnörkellos direkt, ohne Scham und ohne Verklärung, zuweilen leise melancholisch, doch immer voll unverfälschter Schönheit zeugen die Fotos von einem harten, entbehrungsreichen Leben, das wie ein Blick in ein anderes Zeitalter erscheint und das es heute nicht mehr gibt. Was bleibt, ist ein viel beachteter Bildband, der Bauer den Kodak-Fotobuchpreis beschert, und eine lebenslange Passion für Dokumentarfotografie, die sich in zahlreichen Veröffentlichungen manifestiert. „Einige dieser Zeitdokumente verwahrt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, was mich freut, denn dort sind sie für die Zukunft
bewahrt.“

Aufträge aus aller Welt folgen, denn Bauer verfügt über den Blick für Schönheit, das Herz für Ästhetik. Besonders an die Zusammenarbeit mit Christo und Jeanne-Claude, die er als „ihrem Werk absolut verpflichtet“ erlebt, erinnert er sich gerne: „Als sie 1995 den Reichstag verhüllten, dachte ich, dass sich bestimmt zahlreiche Fotografen angedient haben, das festzuhalten. Als ich dann schüchtern nachfragte, wurde ich spontan engagiert. Es gab sogar ein Honorar.“ Keine Selbstverständlichkeit, weshalb Existenzängste und wirtschaftliche Engpässe Bauers Leben begleiten. Heute, mit 67 Jahren, denkt er noch immer nicht ans Aufhören, im Gegenteil: Derzeit beschäftigt ihn die zunehmende Ausrottung der Hohenloher Wildblumenvielfalt, weshalb er begonnen hat, die letzten Exemplare auf Celluloid zu bannen, „auf eine altmeisterliche Art vor schwarzem Hintergrund.“