Die  gebürtige Stuttgarterin  bringt Touristen ihre Heimatstadt in original schwäbischen  Exkursionen nahe.

 

 

Luxushotels, In-Restaurants, all dem bringt Sabine Wacker maximal höfliches Interesse entgegen. Tatsächlich beginnt Genuss für sie weit früher oder – besser gesagt – ganz woanders: „Wenn es um das Thema Ernährung geht, bin ich mit Begeis­terung dabei. Einerseits, weil sich mit hochwertigen Lebensmitteln unendlich tolle Kreationen zaubern lassen, andererseits, weil Kochen für Werte und Traditionen steht, die heute immer mehr in Vergessenheit geraten.“ Wacker denkt bei diesen Worten an so profane Dinge wie die Wertschätzung gesunder Lebensmittel, die Zubereitung der Speisen von Hand, die Zeit für gemeinsame Mahlzeiten. „Pfannkuchenteig aus der Plastikflasche ist nicht meine Welt, auch wenn es schneller geht.“ Die Idee, ihre Leidenschaft professionell auszubauen, kam ihr lange nicht in den Sinn. Erst als eine Freundin aus München nach einer privaten Sightseeingtour ebendiesen Vorschlag fallen ließ, nahm die Verknüpfung von Berufung und Nebenberuf ihren Anfang: „Nachdem ich die Ausbildung zur Stadtführerin gemacht hatte, kam die Stuttgart-Marketing GmbH auf mich zu mit dem Angebot, komödiantische Führungen zu übernehmen. Ich willigte ein und zwei Tage später war es so weit.“

Was damals Schmetterlinge im Bauch zum Flattern brachte, ist längst Routine: Seit rund sieben Jahren bringt Wacker als schwäbische Hausfrau Dorle, Anna Schwätzele oder Küchenmamsell Lene Touristen ihre Heimatstadt genüsslich nahe.„Diese Stadtführungen machen mir viel Spaß, zumal ich schnell festgestellt habe, dass ich über das Talent verfüge, die Teilnehmer mit der richtigen Mischung aus Informationen und Wortwitz zu begeistern.“ Kleine Überraschungsleckereien zwischendurch, vor allem aber Authentizität, Kontaktfreudigkeit und ein Tropfen Herzblut sind die Zutaten, aus denen Wackers Erfolgsrezept besteht – in jede Führung fließen Anekdoten und kleine Erinnerungen aus der eigenen Vergangenheit, denn schon ihre Großmutter hat in der Markthalle eingekauft. „Obwohl ich alles hier seit der Kindheit kenne, sind mir die Düfte, die netten Plaudereien quer über die Theke Gott sei Dank nie alltäglich geworden. Das über die Jahre gewachsene Verhältnis zu den Markthändlern hat schon fast familiären Charakter.“

Für Wacker, die hauptberuflich als Lehrerin im Angestelltenverhältnis eine Förderklasse unterrichtet, stellen diese Ausflüge in mehr als einer Hinsicht einen Ausgleich dar. „Nach 40 Jahren im pädagogischen Dienst bin ich leider ziemlich desillusioniert an einem Punkt angelangt, von dem ich dachte, dass ich ihn nie erreichen würde: die Hoffnung, den Beruf irgendwann an den Nagel hängen zu können.“ Langeweile droht der 59-Jährigen nicht, denn neben Lebensgefährte und Sohn, Stadtführungen, Abendauftritten und Fitnessprogramm fordern ein großer Garten und Hund Ben ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Tipp: Weitere Infos gibt es unter www.stuttgart-tourist.de und www.schwaebischehausfrau.de.