Gerlinger tritt beim Indischen Filmfestival auf – Opa und Vater als musikalische Vorbilder.

 

 

Das indische Filmfestival hat Tradition in der schwäbischen Landeshauptstadt. Bereits zum 14. Mal werden 40 indische Filmproduktionen im Metropol-Kino in der Bolzstraße präsentiert. Wie es sich für ein Filmfestival gehört, startet es am heutigen Mittwoch, 19. Juli, mit einem festlichen Empfang am roten Teppich. Ehrengäste aus Politik, Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft werden von Festivalleiter Oliver Mahn und der bezaubernden Miss Sushmita Singh aus Holland begrüßt. Eine wichtige Rolle beim großen Opening spielt aber kein Inder, sondern ein Grieche: Sakis Tsapakidis heißt der junge Mann, der auf Indisch genauso gut singt wie in seiner Heimatsprache. Festival-Kuratorin Uma da Cunha aus Mumbai war sprachlos, als sie erstmals Sakis Bollywood-Hits singen hörte – sie konnte es kaum glauben, dass er kein Inder ist, er singt akzentfrei. Sakis wird neben dem Eröffnungsabend auch am Samstag gegen 18 Uhr sowie am Sonntag, 23. Juli, während der Preisver­leihung im Rahmen des
14. Indischen Filmfestivals zu hören sein.

„Ich bin der Sakis aus Thessaloniki“ beginnt das Video auf Youtube, in dem er seine Lebensgeschichte erzählt. Der 25-Jährige wurde in Griechenland geboren, kam aber schon als Kind nach Deutschland. Zunächst wohnte die Familie in Bayern, später folgte der Umzug ins schwäbische Gerlingen, wo der Vater eine Gaststätte betrieb.

Musikalität wurde dem Gerlinger mit in die Wiege gelegt: Der Großvater und der Vater machten beide Musik und traten beispielsweise bei Hochzeitsveranstaltungen oder anderen Festlichkeiten auf. So war es fast selbstverständlich, dass der junge Sakis schon mit sieben Jahren beschloss, Musiker zu werden. „Vielleicht war es ja eine göttliche Fügung“, erzählt er. Mit dem Schlagzeug als erstem In­strument fing alles an, mit zwölf Jahren spielte er bereits in einer Band: Keyboard und griechische Geige kamen hinzu, das Singen war schon immer seine Leidenschaft. Anfangs auf Griechisch, dann entdeckte er den ägyptischen Sänger Hakim, der ihn beeinflusste, und so sang Sakis Tsapakidis arabische Lieder. 2004, als die Bollywood-Filme – quasi das indische Pendant zu Hollywood – erstmals auch in Deutschland zu sehen waren und auf ein größeres Publikum stießen, hörte er zum ersten Mal das Lied aus dem Erfolgsfilm „Kabhie khushi kabhi gham“. „Das war für mich wie ein Signal“, sagt Sakis Tsapakidis. Er prägte sich Text und Melodie genau ein, kaufte weitere CDs und Filme, korrigierte ständig seine Aussprache, fand mehr und mehr Gefallen an dieser neuen musikalischen Welt, die sich eröffnete. Sein Zimmer – tapeziert mit Bollywood-Filmplakaten – ist Spiegelbild der Verbundenheit und der Leidenschaft.

Der nächste Schritt erfolgte beim Stuttgarter Sommerfestival der Kulturen. Ein Auftritt dort 2007 mit indischen Liedern erregte Aufmerksamkeit. Uma da Cunha, eine der beiden Kuratorinnen des Indischen Filmfestival Stuttgart, schloss den jungen Künstler sofort in ihr Herz, und so kam die Einladung zum ersten Indischen Filmfestival zustande.

Das große Ziel von Sakis Tsapakidis ist eine Karriere als Musiker. Noch ist er im Broterwerb als Fahrer für ein Unternehmen tätig, das Sauerstoff an Altenheime, Krankenhäuser und Privathaushalte liefert. Mit seinen gerade mal 25 Lenzen ist er bereits in London aufgetreten, bei Veranstaltungen in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich. Er ist selbst sein größter Kritiker, feilt ständig an seiner gesanglichen Performance, kümmert sich um Licht- und Tontechnik, kreiert Plakate für seine Auftritte. Der „halbe Inder“ hat sich den Respekt seiner indischen Fans erarbeitet, von seinen eigenen Landsleuten tun sich manche noch schwer mit seiner Passion. Das stört ihn nicht. „Ich will nicht angeben, aber ich glaube nicht, dass es noch einen Griechen gibt, der Indisch singt“, benennt er mit einem Lachen die musikalische Marktlücke, in die er gestoßen ist.