„Was lange währt, wird endlich gut.“ So setzt die Beauftragte für Menschen mit Behinderung ihre Ziele um.

 

 

„Ich bin ein ernsthafter und zugleich humorvoller Mensch, der immer versucht, positiv zu denken.“ Geduld und Diplomatie fehlen in der Aufzählung, doch sind es vor allem letztere Eigenschaften, die der gebürtigen Baden-Württembergerin aus Osterburken im Alltag wertvolle Dienste leisten. „In puncto Inklusion haben wir noch ein gutes Stück Arbeit bis zur gleichberechtigten Teilhabe vor uns, sind aber auf einem vielversprechenden Weg“, lautet das Urteil der
39-Jährigen, die seit Herbst letzten Jahres die neu geschaffene Position der hauptamtlichen Beauftragten für Menschen mit Behinderung innehat.

Obgleich kein Kindheitstraum – als Schülerin sah sie sich als Journalistin oder Logopädin –, fühlt sich die Verwaltungswirtin am rechten Platz. „Inklusion gelingt sehr gut, wenn man auf Menschen trifft, die offene Ohren und Herzen haben. Die bereit sind, etwas zu investieren und auszuprobieren. Diese Möglichkeiten habe ich in der Stuttgarter Verwaltung gefunden.“ Stolpersteine, mit denen sich behinderte Menschen im Alltag konfrontiert sehen, sind auch in Fischers Leben im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinn präsent.

Besonders wenn öffentliche Veranstaltungen bevorstehen, wappnet sich die kleinwüchsige Frau innerlich für das unangenehme Gefühl der Ausgrenzung, das sich prompt einstellt, wenn es wieder einmal keine höhenverstellbaren Tische gibt. „Jeder ist einsichtig, wenn ich das anspreche, und entschuldigt sich für die Gedankenlosigkeit. Das Beispiel zeigt dennoch, wie weit entfernt eine volle und gleich­berechtigte Teilhabe ist.“

Aus dem Wissen heraus, dass Akzeptanz etwas ist, das man problemlos lernen kann, plädiert sie einerseits für frühzeitige Inklusion, idealerweise schon in Kindergarten und Vorschule, andererseits für ein Miteinander auf Augenhöhe, frei von Ressentiments und Vorurteilen. In diesem Zusammenhang fällt das Stichwort Arbeitsplatzsuche, eines ihrer Herzensanliegen. „Ungeachtet ihres Bildungsstands werden behinderte Menschen oft auf ihre Behinderung reduziert.

Folglich haben sie auf dem Arbeitsmarkt keine Chance oder werden nur aufgrund einer Quotenregelung eingeladen. Ich wünsche mir seitens der Arbeitgeber eine größere Bereitschaft, das Können und nicht die Bedenken in den Vordergrund zu stellen.“ Fischer, die in ihrer Freizeit gerne andere Länder erkundet, Museen besucht oder Filmklassiker verschlingt, weiß aus langjähriger Erfahrung, wie viel Zeit gesellschaftliche und politische Veränderungen brauchen. Beim Thema Inklusion komme aber noch etwas anderes hinzu: eine latente Tendenz zum Negativen, die sich schon sprachlich ausdrückt.

„Eine Pauschalisierung wie ‚Das geht nicht‘ ist desillusionierend, oftmals falsch und birgt die Gefahr, vielversprechende Ideen im Keim zum Scheitern zu bringen. Der Wille zur Veränderung beginnt bei der Frage, wo Bedarf besteht. Und dann überlegt man, wie man ihn im Einzelnen umsetzen kann.“ In den meisten Fällen geht Fischer sogar noch einen Schritt weiter und plädiert dafür, nicht allein Vorgaben wie DIN-Normen zur Barrierefreiheit „abzuarbeiten“, sondern darüber hinaus das Potenzial bestmöglich auszunutzen.