Die Schauspielerin, Autorin und Malerin feiert in Stuttgart ihren 70. Geburtstag.

 

 

Die Sonne lacht in Stuttgart vom Himmel. Plötzlich steht sie klein und zierlich mit Hilde-Knef-Sonnenbrille am Treffpunkt vor der Komödie im Marquardt: Simone Rethel-Heesters spielt hier noch bis 30. Juni in der Komödie „Wir sind die Neuen“ die Anne. „Lassen Sie uns ein Eis essen, ich bin eine große Eisesserin.“

Gesagt, getan. Viel zu oft wird Simone Rethel auf ihr Dasein als Ehefrau und Witwe von Schauspieler-Ikone Jopie Heesters reduziert, „dabei gab und gibt es ein Leben vor und ein Leben nach Jopie“, so Rethel. Von 1992 bis zu dessen Tod im Jahr 2011 war Simone Rethel mit dem 46 Jahre älteren Johannes Heesters verheiratet. „Wir sind 1986 zusammengekommen, da habe ich schon mehr als 20 Jahre als Schauspielerin erfolgreich gearbeitet. Aber es war eine wichtige, glückliche und tolle Zeit mit Jopie“, so Rethel.

Geblieben sind ihr aus der Zeit die vielen holländischen Fans ihres Mannes, die ihr die Treue halten. Die Paparazzi-Belästigungen der Regenbogenpresse vermisst sie seit Heesters Tod überhaupt nicht. Sie ist die Tochter des Malers und Designers Alfred Rethel sowie Nachfahrin des Historienmalers Otto Rethel. Ihre Mutter war Fotografin. kein Wunder, dass sich in Simone Rethel die Familientalente vereinen: Schauspielerei, Fotografin, Malerin, Illus­tratorin und Buchautorin. Als Schülerin spielte sie 1965 die Hauptrolle in dem Film „Die fromme Helene“ an der Seite von Theo Lingen.

„Mein Vater hatte mir eine Anzeige in der ,Münchner Abendzeitung‘ hingelegt, dass sie ,Die fromme Helene‘ besetzen wollten und ich, „Möndi“, wie ich mit Spitznamen hieß, sei doch mit meiner Stupsnase dafür mehr als geeignet. Und ich hatte Glück und habe die Rolle bekommen“, erinnert sich Rethel. Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie eine Schauspielausbildung. „Ich habe viel mit Carl-Heinz Schroth gespielt. Von ihm habe ich die Diktion des Textes gelernt und wie man den Blick des Publikums leitet.“ Seither spielte sie unzählige sowohl ernste Bühnenrollen als auch hauptsächlich Rollen auf Boulevardbühnen und auch im Fernsehen. Rethel wirkte in zahlreichen TV-Serien wie „Aktenzeichen XY“, „Derrick“, „Der Alte“ und natürlich „Diese Drombuschs“ mit. Unvergessen ihre Rolle der fiesen Marga Diebelshauser.

Eine Anekdote: Vor dieser Rolle hatte sie sich mühsam das Rauchen abgewöhnt und sollte nun als Fr. Diebelshauser rauchen: „Da tat ich mich ehrlich schwer, die Rolle anzunehmen. Jopie hat ja ein Leben lang geraucht, aber ich habe es tatsächlich geschafft, es zu lassen“, sagt sie schmunzelnd und demonstriert damit ihre Charaktereigenschaft Selbstdisziplin. „Schauspieler müssen pünktlich sein“, findet sie. „Ich halte lange durch und werde nie müde. Aber vor 10 Uhr morgens darf mich niemand anrufen“, sagt sie lachend.

Erst im Mai drehte sie vier Tage in Stuttgart im Römerkastell für eine Folge von „Soko Stuttgart“ in der Landeshauptstadt. „Ich habe viel in Stuttgart gespielt, ich liebe Stuttgart, ich war immer gerne hier“, schwärmt sie. Die Stuttgarter seien gemütlich und gesellig. „Aber Vorsicht, hier steht an jeder Ecke eine Radarfalle, in die ich prompt auch getappt bin.“ Am 15. Juni feiert Simone Rethel in Stuttgart ihren 70. Geburtstag. Ihre Gäste hat sie vor den Stuttgarter Radarfallen schon vorgewarnt. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin widmet sie sich auch der Malerei und der Fotografie.

Seit Anfang 2005 ist Simone Rethel als Botschafterin für die Initiative „Altern in Würde“ tätig und ist bemüht, das Thema Alzheimer mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Vehement fordert sie, im Alter weiterhin aktiv zu sein und nicht aufzuhören, sich weiterhin Ziele im Leben zu stecken. „Aktiv bleiben verzögert den Abbau im Alter, der Begriff ‚zur Ruhe setzen‘ ist ganz schlecht“, findet sie, im Gegenteil, am Leben teilhaben sei wichtig. „Ich schreibe meine Bücher für diejenigen, die das Alter noch vor sich haben. Ich habe keine Hobbys, das ist alles Beruf“, meint sie.

Als Malerin sind ihre Vorbilder die Expressionisten. Sie malt Öl, Aquarelle, Tusche und hinter Glas. Mit Horst Frank brachte sie einen Gedichtband mit ihren Illustrationen heraus („Wenn ich mich im Spiegel beschau“). Ihre Fotos von Johannes Heesters aus dem Buch „Schönheit des Altes“ wurden mehrfach ausgestellt.

Ihr nächstes Projekt, für das sie schon seit Monaten viel unterwegs ist, wird ein Buchprojekt mit dem Arbeitstitel „Alterslos – grenzenlos“ sein mit Promi-Interviews (u. a. mit Gysi, Nicole Heesters, Jutta Speidel, Waltraud Haas) und ihren Fotos. Die Komödie im Marquardt spielt noch bis zum 30. Juni 2019 die Komödie „Wir sind die Neuen“ mit Simone Rethel als Anne.

Tickets unter Telefon 07 11 / 22 77 00.