Zum 1. April übernimmt der Sportökonom und ehemalige Judoka die Leitung des Olympiastützpunkts (OSP) Stuttgart.

 

 

„Durch meine eigene Sportkarriere, aber auch durch meine Erfahrungen im Sportbusiness weiß ich, wie wichtig die gezielte interdisziplinäre Unterstützung von Spitzenathleten ist. Ich freue mich darauf, das derzeitige Angebot des OSP Stuttgart quantitativ wie qualitativ weiter auszubauen“, antwortet Lamsfuß auf die Frage, mit welchen Gefühlen er die Nachfolge von Thomas Grimminger antritt. An Herausforderungen wird es ihm zukünftig nicht mangeln, davon geht der gebürtige Backnanger aus, doch wo genau diese im Einzelnen liegen, gilt es zu klären.

„Wir müssen analysieren, wo welcher Bedarf besteht. Indem wir nicht nur die Ansprüche der verschiedenen Disziplinen zugrunde legen, sondern auf die Bedürfnisse der einzelnen Athleten eingehen, nähern wir uns unserem Ziel, wo immer möglich maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.“ Dass besonders allgegenwärtige Einsparungsbestrebungen ihm bei der Umsetzung seiner Ideen Steine in den Weg legen könnten, weiß der 39-Jährige, zieht es aber vor, sich zu diesem Thema nicht weiter zu äußern, bis er sich ein eigenes Bild von der Situation gemacht hat. „Rückschläge sind in jedem Metier unvermeidbar. Man lernt aus ihnen und geht seinen Weg zielstrebig und ein wenig schlauer weiter.“ Bei so manchem Sportinteressierten mag der markante Name in anderer Beziehung ein „Ach ja“ auslösen.

Tatsächlich galt Tim Lamsfuß vor zwanzig Jahren als vielversprechender Judonachwuchssportler: schon mit fünfzehn Jahren nimmt er an den Jugendmeisterschaften in Japan teil; 1998 holte er bei der U-20-Weltmeisterschaft in Kolumbien die Bronzemedaille. Er selbst denkt öfter mal an die Vergangenheit und dann mischt sich Stolz mit einer Prise Wehmut. „Es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens, die mich viel gelehrt hat und aus der ich gute Freundschaften mitgenommen habe.“ 2004 beendet er seine Sportlerlaufbahn, weil er nach einigen Verletzungen sowie dem studienbedingten Wechsel vom OSP Stuttgart nach Köln nicht mehr zu alter Form zurückfindet.

Heute nennt er diese Entscheidung voreilig. „Ich habe dadurch mein großes Ziel, die olympischen Spiele, verfehlt. Vielleicht hätte ich einfach die Zähne zusammenbeißen und noch einmal alles geben sollen.“ Doch der Schwarzhaarige mit dem jungenhaften Grinsen ist nicht der Typ für Trübsal. Lieber blickt er nach vorne und sucht sich neue Herausforderungen, beruflich wie privat - mit der neuen Position und drei kleinen Kindern wahrlich kein Kunststück. „Mein Großer kickt und spielt Handball, meine ältere Tochter tanzt und turnt. Wann immer möglich kutschiere ich sie zum Training oder verbringe anderweitig Zeit mit ihnen.“

Zwar trägt sich der Nachwuchs noch nicht mit Gedanken an Leistungssport, doch sollte sich das eines Tages ändern, können sie sich ihres Vaters Unterstützung gewiss sein: „Ich werde sie zu nichts drängen. Mir ist nur wichtig, dass sie viel Bewegung haben.“