In „Die Charité“ entführt die Bestsellerautorin ihre Leser in die Vergangenheit des berühmten Krankenhauses.

Lächelnd streicht sich Ulrike Schweikert das rotbraune Haar aus dem Gesicht. „Ich war schon als Kind eine Leseratte, habe die Romane von Astrid Lindgren und Karl May verschlungen. Heute fehlt mir leider oft die Zeit“, gesteht sie bedauernd. Längst zählt die begeisterte Leserin von einst selbst zu den renommiertesten

Schriftstellerinnen Deutschlands – Lorbeeren, die die 52Jährige einerseits mit Stolz und Freude erfüllen, andererseits aber auch unter Druck setzen. „Ein solcher Status duldet keine Fehler. Im Gegenteil, stets wird erwartet, dass jedes neue Buch die vorherigen sowohl inhaltlich als auch finanziell toppt.“ Wer sich auf dieses Hamsterrad einließe, laufe Gefahr, sich völlig zu verausgaben. Zwei Dinge hält sie daher für unabdingbar: Selbstdisziplin, die dafür sorgt, dass sie Termine und Fristen einhält, und das Haushalten mit den eigenen Ressourcen mittels eines klar definierten wöchentlichen Arbeitspensums.

Ihre Mußestunden verbringt die gebürtige Schwäbisch Hallerin vorzugsweise im Sattel, ihre drei Pferde wollen täglich bewegt sein. „Einen kleinen Urlaub pro Tag“, nennt es die Tierfreundin, die darüber hinaus noch zwei Graupapageien besitzt, die als einzige stören dürfen, wenn sie, bis zur Nasenspitze in längst vergangene Zeiten versunken, am aktuellen Manuskript arbeitet. Schweikerts Weg zur Vollzeitautorin ist alles andere als gradlinig. Nach dem Abitur absolviert sie zunächst eine Bankkaufmannslehre und arbeitet als Wertpapierhändlerin, bevor sie mit dem Studium der Geologie ihren Traumberuf in Angriff nimmt. Parallel unternimmt sie erste schriftstellerische Gehversuche: Vorlagen für FantasyRollenspiele in Romanform, die bei Verlagen auf pure Ablehnung stoßen.

„Das gesamte Genre und besonders deutsche FantasyAutoren waren nicht gefragt. Also versuchte ich mich an etwas anderem.“ Sie schreibt „Die Tochter des Salzsieders“, einen historischen Roman, der ihr das Interesse der Öffentlichkeit beschert. Es folgen weitere Romane, daneben Jugendbücher und FantasySerien. „Obwohl ich Abwechslung schätze, schlägt mein Herz für die Vampirserie ‚Die Erben der Nacht’, die derzeit verfilmt wird. Gut möglich, dass es zukünftig noch weitere Bände gibt.“

Nur drei Jahre nach der ersten Veröffentlichung hängt sie ihren Beruf – sie arbeitet mittlerweile als freie Journalistin für verschiedene Medien – an den Nagel, um sich hauptberuflich dem Schreiben zu widmen. Ihr jüngstes Werk „Die Charité“ ist in mehr als einer Hinsicht eine Ausnahme. „Die Idee stammt ursprünglich von meinem Agenten. Mich reizte die Herausforderung, mich erstmals mit der Medizin des 19. Jahrhunderts auseinanderzusetzen“, so Schweikert. Ein zweites CharitéBuch ist bereits in Vorbereitung, daneben sind Pläne für ein, zwei weitere Projekte in der Pipeline – Beruf und Berufung in einem. Denn „wenn Leser sich von meinen Büchern fesseln lassen und traurig sind, wenn die Geschichte endet, ist das wie ein Ritterschlag“.