Sein Mountainbike „Country“ läutete einst den Beginn einer neuen Ära in der deutschen Radgeschichte ein.

 

 

Mehrfacher Deutscher Meister im Radcross; Entwickler des Mountainbikes; Initiator der ersten Deutschen MTB-Meisterschaft – Renners Status als „Pionier und Visionär der deutschen Radszene“ ist längst zementiert. Wenn es noch eine finale Bestätigung brauchte, hat er sie mit der Nominierung für die Mountain Bike Hall of Fame in den USA bekommen. „Ich hab mich nicht darum gedrängt, auf ein Podest gestellt zu werden“, winkt die „lebende Legende“ bescheiden ab. „Ist eine nette Würdigung, aber so etwas schafft man nicht allein. Trainer, Mentoren, die haben alle Anteil.“

Selbstbeweihräucherung ist nicht Renners Ding, lieber erzählt er von früheren Zeiten: dass er heute noch das Einrad beherrscht, was er und sein Zwillingsbruder einst vom Vater lernten; von seiner Cross-Bike-Tour im Karwendelgebirge, als die Idee für das Mountainbike Gestalt annahm; wie er den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gelinkt hat. „Wir wollten ein großes MTB-Rennen organisieren, aber der BDR stellte sich quer. Wir haben dann in allerletzter Minute die Ausschreibung in die Verbandszeitung gesetzt. 1500 Teilnehmer sind gekommen.“ Obwohl der BDR tobt und mit Sperrung droht, findet das Rennen statt. „Im gleichen Jahr hat dann der BDR offiziell die Deutsche MTB-Meisterschaft ausgerichtet.“

Wo Licht ist, ist auch Schatten, das weiß niemand besser als Renner. Die erste Krise meistert er bereits als junger Mann, als ein Autounfall seiner Profikarriere ein abruptes Ende setzt. „Sonst wäre ich bestimmt Weltmeister geworden.“ Aus der Distanz von fast einem halben Jahrhundert kann er dem geplatzten Lebenstraum mit Blick auf die zahlreichen Doping-Skandale im Rennsport heute sogar Gutes abgewinnen.

Ein anderes Mal hätte sein Ehrgeiz fast das Aus für sein Unternehmen Centurion bedeutet: „Ich wollte die Amerikaner entwicklungstechnisch übertrumpfen und setzte bei der Rahmenfertigung voll auf eine neue Spritzgusstechnik für Carbonfasern. Das Projekt ging schief, ich hatte keine Alternativlösung, verlor sieben Millionen Mark und brauchte gut zehn Jahre, um den Verlust aufzuholen.“ Aus dieser Zeit stammt sein Motto „Mache jeden Fehler nur einmal und habe immer einen Plan B“.

Das Wort Ruhestand hat in Renners Leben keinen Platz. Er arbeitet weiter, solange er geistig und körperlich fit ist. „Erst wenn mir einer von meinen Mitarbeitern sagt, Renner, du wirst wunderlich, weiß ich, es ist Zeit.“ Ruhestand im wörtlichen Sinn ist ebenso unvorstellbar: Zum einen hat sich der gebürtige Stuttgarter mit der Fluglizenz für ein- und zweimotorige Maschinen einen lang gehegten Traum erfüllt, zum anderen trainiert der fast 70-Jährige derzeit für das „King of the Mountain“ in Taiwan, ein Rennen über rund 90 Kilometer, das in gut 3200 Meter Höhe endet. „Ich mache keine Hau-ruck-Trainings mehr wie früher, man wird eben vernünftiger. Daher werde ich bestimmt fünf Stunden brauchen.“