So mancher, der den Namen Anton Gschwendtner hört, denkt an Sterne und feine Speisen. Zu Recht, denn für seine kulinarischen Köstlichkeiten wurde der gebürtige Freisinger bereits mehrfach ausgezeichnet. Dabei setzt der Kochprofi mit seinem Stil - moderne französische Küche mit asiatischen Einflüssen – eher auf Minimalismus als auf Opulenz. Seiner Erfahrung zufolge wünscht sich der Gast nämlich keine Massen, sondern ein individuelles Geschmackserlebnis, das klar verständlich auf dem Teller liegt. „Im Laufe der Zeit ist meine Küche puristischer und gradliniger geworden. Ich fokussiere das Wesentliche, statt auf Verspieltheit zu setzen.“ Eine Prise Mut gehöre dazu, denn je übersichtlicher das Menü daherkäme, desto überzeugender müssten Qualität, Komposition und Präsentation sein.

Für den Sternekoch eine Frage der Erfahrung: „Ein Koch muss reifen. Irgendwann weiß man, was funktioniert.“ Wie man erfolgreich Gäste umsorgt, lernt Gschwendtner schon als Kind im Gasthof der Eltern. Da eine Karriere in der Gastronomie auch in seinen Ohren verlockend klingt, absolviert er im Forsthaus am See in Possenhofen eine Ausbildung zum Koch. Danach geht Schlag auf Schlag: mit der Anstellung im Hotel Bareiss in Baiersbronn schafft er den Sprung in die Sternegastronomie; mit 24 Jahren ist er Sous Chef im Münchner Atelier Garden; als Chef de Cuisine in „Das Loft“ im Wiener Hotel Sofitel erkocht er sich den ersten Michelin-Stern und 16 Punkte im Gault-Millau.

„Ich dachte immer, mit dem ersten Stern hätte ich mein Ziel erreicht. Tatsächlich fing die Reise dann erst an“, verrät der 35-Jährige lächelnd. Um so steil in der gastronomischen Hierarchie aufzusteigen, braucht es Disziplin und viel Begeisterung für den Beruf. Stresssituationen, in denen es gilt, nicht den Kopf zu verlieren, und Arbeitstage, die erst spät in der Nacht enden, gehören zwar nicht zwingend zum Alltag, kommen aber durchaus vor. Entsprechend wenig Zeit bleibt für das Privatleben. „Schwieriges Thema“, winkt Gschwendtner dann auch ab; lieber spricht er über seine Passion, sein „täglich‘ Brot“. „Drei Dinge sind beim Kochen entscheidend: solides Handwerk, beste Zutaten und vor allem Ausdauer.“

Kein Wunder, ein neues Gericht oder gar Menü entsteht nicht mal eben. Jede Zutat wird sorgfältig ausgewählt, verarbeitet und im Zusammenspielt variiert; jeder einzelne Arbeitsschritt genaustens konzipiert und mehrfach getestet. Drei bis vier Wochen können gut und gerne ins Land gehen, bis eine neue Kreation zum ersten Mal seinen Wirkungskreis verlässt. Entsprechend aufgeregt steht er dann im Kücheneingang und wartet auf das Feedback der Gäste. Dass dieses in der Regel sehr positiv ausfällt, sieht Gschwendtner als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein: offen für neue Ideen, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Sich selbst treu bleiben“, nennt er es schlicht.