In der 20er-Jahre-Revue versetzt der Künstler das Publikum zurück in die Zeiten von Bubikopf und Flapper Dress.

 

 

Der Mann nennt sich Ferkel. Er tritt seinem Publikum als smarter Conférencier, als Clown, als Burlesque-Künstler gegenüber. Er brilliert mit tiefsinnigen Gedanken oder stimuliert mit feucht-frivolen Texten, die er passenderweise in sexy Feinripp zum Besten gibt, weil sie unterhalb der Gürtellinie spielen. Ist der Vorname also Programm? Johnson lacht. „Tatsächlich bin ich gerade in einer schwierigen Umbruchphase. Meine Shows werden ehrlicher, deshalb trete ich zunehmend unter meinem echten Namen auf.“ Überhaupt gehe das Pseudonym auf seine Mutter zurück, die seine Burlesque-Shows irgendwann einmal mit „Deine Ferkeleien“ betitelte, und damit ungewollt zur Namensgeberin wurde. Eigenwillig war Johnson, der mit bürgerlichem Namen Merlin Pohse heißt, schon immer.

Einer, der wenig von Ein- und noch weniger von Unterordnung hält, sondern lieber das Abenteuer sucht. Mit 17 träumt er davon, als Wanderarbeiter die „Romantik“ der Straße kennenzulernen; als Abiturient sieht er sich als Schauspieler, bis auch dieser Traum platzt, weil „ich trotz großer Bühnenpräsenz immer nur mich selbst gespielt habe“. Die ungestillte Begeisterung für die Bühne treibt den gebürtigen Berliner an die Etage, eine Schule für darstellende und bildende Künste, wo er Physisches Theater und Pantomime studiert. Es folgen Jahre, in denen er „als Clown, Sänger und Dichter, der sich bemühte, Künstler zu werden“, durch die Lande tourt – mal als Solist, mal als Teil des Duo Desolato oder Mitglied des Kabaret Kalashnikov.

Stets bereit, die eigenen Grenzen wie auch die der anderen auszuloten, inspiriert eine zufällige Begegnung mit einer Burlesque-Künst­lerin den neugierigen Selbstdarsteller, die beruflichen Weichen neu zu stellen. „Ich fand an dem witzigen Zugang zur Erotik sofort Gefallen. Also habe ich die Dame belagert, ob und wo und wie ein Newcomer wie ich das machen könnte.“ Die Faszination liege im lässig-lasziven Flirt mit sich selbst, mit dem Gegenüber; in den intensiven Begegnungen, die es ermöglichen, den Moment gemeinsam lebendig zu gestalten.

„Burlesque kitzelt Gefühle raus, weckt den Wunsch, eigene Fantasien auszuleben. Eine Art (Selbst-)Reflexion im Sinne von ‚Hey, wir sind am Leben‘. Ich bin dabei nur die Blaupause meines Gegenübers“, erklärt der 38-Jährige mit wissendem Lächeln. Johnson, der zwar eine Wohnung in Berlin hat, on tour aber in einem umgebauten Linienbus aus den 70ern lebt, hat seine Chancen genutzt, sein Leben beruflich wie privat nach eigenem Gusto zu gestalten. Dennoch stehen in absehbarer Zukunft Veränderungen an, verrät der frischgebackene Vater: „Solange unsere Tochter klein ist, sind meine Frau und ich als Freiberufler ortsunabhängig. Langfristig müssen wir aber nach Alternativen schauen.“

Ob es auf ein festes Theaterengagement oder eine andere Option hinausläuft – Johnson zuckt die Schultern. „Das wird sich finden.“ Tipp: „1925 – Die 20er-Jahre-Revue“ im Friedrichsbau Varieté läuft noch bis 23. Februar 2020.