„Bis zum Rollator“, lautet die Antwort, wenn man Frl. Wommy Wonder nach ihrer Bühnenzukunft befragt.

 

 

„Wir feiern Wommys 35-Jahr-Bühnenjubiläum an meinem 52. Geburtstag. Obwohl ich zunächst unsicher war, ob eine Jubel-Gala passend ist. Von wegen katholischer Erziehung und so“, spöttelt Michael Panzer, der Herr hinter der Dame. Eine Bilanz zu ziehen aus den 35 Jahren fällt schwer, pendelt je nach Tagesform irgendwo zwischen Freude über das Erreichte und „Erschreckend, wie die Zeit verfliegt“, wenn er mal wieder die Brille hervorholen muss, um das Kleingedruckte zu entziffern.

Gereift sind beide, sicht- und hörbar. Mit nachsichtigem Amüsement erinnert sich Panzer an seine anfängliche Naivität dem Showbiz gegenüber, an selbst geschneiderte Kostüme und Nana Mouskouri in Play-back. „Heute entwerfe ich von Texten bis zu Kostümen alles selbst, feile oft Monate an Details. Schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren!“ Vielleicht ist es die fein austarierte Balance zwischen „verruchter“ Travestie und schwäbischer Hausfrau, authentischem Wortwitz und amüsant verpackter Tiefsinnigkeit, die das Publikum seit so vielen Jahren überzeugt.

Die bombastische Frisur, kombiniert mit XXL-Oberweite und Killer-High-Heels, sorgt für ausreichend satirischen Abstand, beide Geschlechter auf die Schippe nehmen zu können – ohne die dem Genre oft unterstellte Schmuddelerotik, ohne die Grenzen von Respekt und Wertschätzung zu verletzen, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit hohem Wiedererkennungswert. „Letztens hat mich eine 80-jährige Dame angesprochen und mir gestanden, dass sie keine meiner Shows verpasst hat. Solche Begegnungen gehen zu Herzen.“ Dass die Bühnenfigur über Facetten verfügt, die ihr privates Alias vermissen lässt, ist so einleuchtend wie notwendig.

„Wommys Exaltiertheit geht mir völlig ab, wirkt aber sehr in­spirierend.“ Privat sei er eher introvertiert, gesteht der Oberschwabe, hinterfrage besonders bei neuen Programmen oft Intention und Umsetzung. „Dass man mit der Zeit abhärtet, ist ein Gerücht. Ich habe nach 35 Jahren noch Angst vor Kritik.“ Nervöses Trommeln auf der Tischplatte. 35 Jahre und kein bisschen greise? Beinahe erübrigt sich die Frage, wie lange das Fräulein noch auf der Bühne stehen wird.

„Solange die Leute uns sehen wollen“, kommt es wenig überraschend wie aus der Pistole geschossen. „Es geht ja um das gesprochene Wort, weniger um das Aussehen. Obwohl das Altern natürlich ein befreiender, weil lebensnaher Aufhänger ist“, fügt Panzer schmunzelnd hinzu und skizziert im Geist bereits Ideen zu Altersweitsicht und Krampfadern. Gänzlich wunschlos ist er indes nicht.

„Ich würde mehr Aufgeschlossenheit seitens der Medien schätzen. Ein vorurteilsfreies Annähern an das Genre statt des unreflektierten Bedienens von Klischees.“ Der Appell kommt nicht von ungefähr, Panzer weiß, was negative Kritik anrichten kann. Aber das Herumreiten auf Enttäuschungen liegt ihm nicht, lieber freut er sich auf zukünftige Herausforderungen.

Zum Beispiel eine Jubiläumsgala. Tipp: Karten für die Gala (8. bis 10. November) gibt es im Eventbüro Wittwer (07 11 / 22 21 47 00), bei allen Reservix-VKK-Stellen und unter www.reservix.de.