Statt auf Incentives zu setzen, rät der Verkehrsexperte zu individueller Mobilitätsbepreisung.

 

 

Als Kind wollte er Entwickler bei Legoland werden, weil ihn die Idee reizte, unterschiedliche Landschaften und Lebensräume zu entwerfen. 50 Jahre später entwickelt Markus Friedrich, Leiter des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik an der Universität Stuttgart, zwar keine Städte, wohl aber Verkehrs­modelle für die Mobilität von morgen. Eine Karriere, die ein Stück weit einem Zufall geschuldet ist.

„Als ich mein Bauingenieurstudium begann, verschrieb ich mich dem Umweltschutz und träumte davon, so die Welt zu retten.“ Eine Vorlesung über Parkplätze bringt die Wende, indem sie Friedrich vor Augen führt, welches Riesenspektrum sich hinter „Verkehr“ versteckt. Einmal eingeschlagen, verfolgt der gebürtige Münchner seinen Weg zielstrebig, arbeitet als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Verkehrs- und Stadtplanung, promoviert über Entwurfsverfahren für den ÖPNV und übernimmt schließlich den Bereich Planungssysteme Verkehr bei der PTV Planung Transport Verkehr AG in Karlsruhe. Bei der Erinnerung gerät Friedrich ins Schwärmen, erzählt von „der coolen Zeit dort, in der ich weit mehr gelernt habe als an der Uni“, und vom befriedigenden Gefühl, weil andere bis dato auf seine Arbeit zurückgreifen.

2003 nimmt der heute 56-Jährige eine Professur am Institut für Straßen- und Verkehrswesen in Stuttgart an – eine in mehrfacher Hinsicht gute Entscheidung. „Forschen und Unterrichten ist genau das, was ich machen möchte. Zudem lässt mir die Position ausreichend Flexibilität, meinen Beitrag zur Erziehung meiner beiden Söhne zu leisten.“ Geradezu Usus für den Experten ist die Frage nach Lösungen für die Verkehrsprobleme in Stuttgart. Eine einfache Antwort gibt es nicht. „Nicht jeder Stau ist schlecht. Der vorhersehbare Stau bei der Fahrt nach Stuttgart macht den ÖPNV attraktiver und schützt die Stadt vor zu viel Autoverkehr. Jeder Einzelne kann durch die Wahl von Verkehrsmittel und Abfahrtszeit entscheiden, wie viel Stau er in Kauf nimmt“, konstatiert er und schmunzelt verhalten, vielleicht ob der Naivität der Frage.

Auch ließe sich nicht sicher prognostizieren, wie der Verkehr in 20, 30 Jahren auf den Straßen im Ländle aussehen wird. „Das hängt von der Entwicklung der Preise, neuen Fahrzeugtechnologien und vom Ausbau des Verkehrsangebots ab. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Verkehr in allen Bereichen zunehmen wird.“ Bemerkenswert sei der unterschiedliche Umgang mit Zuwächsen: Während ÖPNV, Schienenverkehr und Fahrradlobby sie als Erfolg verbuchten, würden sie beim Autoverkehr kaum thematisiert. „Verkehr funktioniert nur, wenn wir kooperieren. Dafür brauchen wir andere Rahmenbedingungen“, ist Friedrich überzeugt.

Eine generelle Autozulassungssteuer, eine individuelle Streckengebühr oder die stärkere Besteuerung emissionsstarker Autos wären Schritte in die richtige Richtung, „aber solche unpopulären Entscheidungen will natürlich niemand treffen“.