Für ihren Science-Fiction-Thriller „The Shelter“ erhält die Autorin den diesjährigen Literaturpreis für Fantastik.

 

 

Bott, sommerlich gekleidet in einen gelben Mantel, der harmonisch mit der Sonne konkurriert, schüttelt den Kopf. „Ich schreibe erst seit etwa fünf Jahren. Dass gleich mein Erstling in der Kategorie ‚Bestes Debüt‘ ausgezeichnet wird, konnte ich erst glauben, nachdem der Preis bereits einige Tage bei mir im Regal stand.“ Noch immer ist ihrer Stimme die Überraschung anzuhören, als sie erzählt, dass der Seraph für sie eine schöne und sehr willkommene Bestätigung ihrer Arbeit bedeute, „weil er kein Publikumspreis ist, sondern nach fachlicher Begutachtung durch eine unabhängige Jury vergeben wird.“

Botts Liebe zu Büchern im Allgemeinen und zu Krimis und Science-Fiction im Besonderen erwacht früh, allerdings ohne eigene literarische Ambitionen. Trotz eher trüber Berufsaussichten entscheidet sie sich, nach dem Abitur Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Anglistik zu studieren: „Ich wollte viel wissen, viel probieren und mich dann entscheiden, was mir beruflich Spaß macht. Eine Zeit lang habe ich sogar mit der Idee geliebäugelt, in die Denkmalpflege zu gehen.“

Schlussendlich fällt die Entscheidung doch zugunsten des gedruckten Wortes. Mehr als 20 Jahre arbeitet sie als Medienlektorin, ohne eine einzige eigene Zeile zu Papier zu bringen. Ein tragischer Umstand ändert das: die Insolvenz des Arbeitgebers. „Nachdem die Firma geplant gegen die Wand gefahren war, haben viele Kollegen diese belastende Erfahrung auf ärztlichen Rat schriftlich verarbeitet. Ich fühlte mich nicht psychisch beeinträchtigt, mich reizte die Idee als solche. Also habe ich einfach angefangen“, erzählt Bott, die heute hauptberuflich als freie Lektorin für kleinere Verlage und Selfpublisher arbeitet.

Die Kurzgeschichte, in der ein Alien bei seiner Mission, die Erde zu zerstören, in einer Firma landet, liegt noch heute in irgendeiner Schublade. Botts Beharrlichkeit, mit der sie ihre Arbeiten bei Verlagen einreicht, zahlt sich aus, längst ist das Pseudonym Kris Brynn den Freunden fremder Universen ein Begriff. Vielleicht gerade deshalb, weil die Romane und Kurzgeschichten der gebürtigen Stuttgarterin, die unter anderem Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und dem Fantastik-Autoren-Netzwerk PAN ist, mit einem attraktiven Mehrwert daherkommen.

„Alle meine Bücher haben aktuelle Themen als Basis, beispielsweise Künstliche Intelligenz oder die Frage, wie die Lebensmittelproduktion in der Zukunft ausschaut. Damit hoffe ich, auf unterhaltsame Weise zur Auseinandersetzung mit relevanten Geschehnissen beizutragen.“ Mit ihrem jüngst im Gmeiner Verlag erschienenen Roman „Kern der Angst“, der offiziell ihren Einstieg in das Krimi-Genre markiert, geht sie neue Wege, ohne das Bewährte außer Acht zu lassen: Neben einem (glücklicherweise) fiktiven Plot und skurrilen Figuren erwarten Leser pointierte Fußnoten, die mehr als einmal zum Schmunzeln anregen.