Unsere Region soll nicht nur wegen Daimler, Porsche und Friedrich Schiller von der Unesco weltweit gerühmt werden.

 

 

Auch die Streuobstkultur prägte über Jahrhunderte Landschaft und Menschen im Mittleren Neckarraum mit dem Vorland der Schwäbischen Alb. Wo eine intensive landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich war, zum Beispiel an Hanglagen, blieben die ursprünglichen Streuobstwiesen fast unverändert erhalten. Das gilt auch in und um Stuttgart, wo es noch Restbestände von Streuobstwiesen beispielsweise in Sonnenberg oberhalb des Waldfriedhofs, in Plieningen Richtung Scharnhausen, Heumaden, Rohr, Wangen und Rohracker gibt.

In Deutschland ist seit dem 2. Weltkrieg das Interesse am Selbstversorgerobstbau deutlich zurückgegangen, auch weil die Verbraucher vor allem in den Supermärkten zu ausländischem Obst greifen, das dort kostengünstiger produziert werden kann. Ab Ende der 50er-Jahre bis heute wurden so rund drei Viertel der klassischen Streuobstbestände aufgegeben.

Auf den Obstwiesen unserer Region überwiegen überalterte Bestände in meist schlechtem Pflegezustand mit verdichteten Baumkronen wegen fehlenden Auslichtungsschnittes.In dieser Situation hat nun der bundesweit tätige gemeinnützige Verein Hochstamm Deutschland e. V. (Sitz in Rohrdorf, Landkreis Calw) die Initiative ergriffen.

Er will mit Ablauf der Meldefrist Ende des Monats den Antrag zur Aufnahme der Streuobstkultur in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes stellen.

 

 

Bewahren

Streuobstwiesen gehören zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Auch deshalb ist der Antrag, Obstwiesen zu einem Weltkulturerbe zu machen, aktuell und begründet. Diese Kulturlandschaft ist ein wertvolles Erbe, das aber dringend gepflegt werden muss. Das ist mühsam, scheint unrentabel, erfordert Sachverstand und Idealismus. Wie wäre es, wenn unsere verdienstvollen Obst- und Gartenbauvereine – finanziell unterstützt von den jeweiligen Kommunen – den Obstbauern bei dieser schwierigen Pflege patenschaftlich zur Hand gingen? Von Nico Welf