Schon seit 20 Jahren heißt ein Platz in der Stuttgarter Innenstadt Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz. Eine Umgestaltung zum „wirklichen“ Platz hat nie stattgefunden. Doch das soll sich jetzt ändern.

 

Eine Augenweide ist er nicht – der Joseph-Süß-Oppenheimer- Platz in der Stuttgarter Stadtmitte, ganz in der Nähe der Königstraße. Vor über zwanzig Jahren, anlässlich des 300. Geburtstags des jüdischen Bankiers und württembergischen Geheimen Finanzrats Joseph Süß Oppenheimer – von seinen Gegnern Jud Süß genannt – haben die Grünen die Benennung einer Straße oder eines Orts in der Stuttgarter Innenstadt nach ihm angeregt.

Schon im Herbst 1998 wurde dann der „Joseph-Süß- Oppenheimer-Platz“ im Beisein von Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, eingeweiht. Der Platz liegt am Ende der Straße Bebenhäuser Hof, unweit der Königstraße. Eine Umgestaltung zum wirklichen Platz wurde seither wiederholt diskutiert, jedoch nicht vorgenommen. Immer wieder wurde seither der Vorwurf erhoben, das Erscheinungsbild des Joseph- Süß-Oppenheimer- Platzes sei für die Stadt peinlich. Einer ansprechenden Gestaltung standen beispielsweise der Eingang zu einem Bordell, die Abfahrt zur Tiefgarage oder notwendiger Lieferverkehr entgegen.

Im letzten Jahr haben die Grünen den Abschluss der Bauarbeiten am Primark- Gebäude zum Anlass genommen, die Platzgestaltung erneut einzufordern – jetzt wird sie auf den Weg gebracht. Andreas Winter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stuttgarter Rathaus, begrüßt, dass auf dem Platz auch ein Gedenkort geschaffen werden soll: „Wir erwarten, dass dort an den an Joseph Süß Oppenheimer verübten Justizmord erinnert wird. Und, dass sein – durch den von den Nazis in Auftrag gegebenen und in Stuttgart gedrehten antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ von Veit Harlan – diffamierter Namen rehabilitiert wird und für Rechtsstaatlichkeit und Toleranz geworben wird.“ Andreas Winter weiter: „Plätze schaffen Begegnungen. Schön, dass der Joseph Süß-Oppenheimer-Platz künftig gastronomische Angebote ebenso vorsieht wie nicht-kommerzielle Sitzmöglichkeiten.“

Die Grünen regen zwei weitere, über den Vorschlag der Verwaltung hinausgehende Maßnahmen an: Zum einen wünschen sie die Einbeziehung der Straße Bebenhäuser Hof in die Umgestaltung sowie, das Milieu-Image zurückzudrängen. Außerdem fordern sie, Anschlüsse für Wasser und Strom zu legen. Auf dem anwohnerfreien Platz findet an Wochenenden in der Regel keine Anlieferung statt. Dadurch besitzt der Platz auch Potenzial für kleinere Veranstaltungen. Diese Chance sollte durch Vorhaltung notwendiger Infrastruktur gewahrt werden – finden die Grünen.

 

Hintergrund: Tragisches Justizopfer

 

Vor 20 Jahren wurde ein kleiner Platz im Herzen Stuttgarts zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Stiftung Geißstrasse nach Joseph Süß Oppenheimer benannt. J.S. Oppenheimer war eines der tragischsten Justizopfer der Stuttgarter Geschichte. Er wurde 1734 nach einem unfairen Prozess, nur aufgrund von Intoleranz, zu Tode verurteilt und hingerichtet. Sein Leichnam wurde jahrelang zur Abschreckung ausgestellt.