Vom Ort des NS-Terrors zum Ort des Erinnerns und Lernens: Im früheren Hotel Silber gibt eine neue Dauerausstellung Einblicke in ein dunkles Kapitel der Geschichte.

 

„Wer nicht bereit ist, sich zu erinnern, der ist nicht gefeit vor Wiederholung“, meint Oberbürgermeister Fritz Kuhn bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Museums „Hotel Silber“ in der Dorotheenstraße. „Ein zentraler Ort, wo Nazi-Terror ausgeübt wurde, ist hier zur Erinnerungsstätte geworden.“ Bezeichnend war auch der bürokratische Charakter des Terrors, der hier ausgeübt wurde – etwa bei der Organisation der Deportation von Juden durch die Gestapo.

Nach 18 Monaten Bauzeit ist der Umbau der ehemaligen Gestapo-Zentrale abgeschlossen: Seit der vergangenen Woche kommt man in einer Dauerausstellung auf 300 Quadratmetern dem Grauen der Geschichte näher, das auch vor der Stadt Stuttgart nicht Halt machte. Die Ausstellung thematisiert Polizei und Verfolgung in verschiedenen politischen Systemen ab 1928. Nicht nur in der NS-Zeit, auch davor und danach, verfolgte die Polizei Randgruppen wie Sinti oder Homosexuelle.„Es werden nicht nur die Täter, sondern auch die Opfer in den Blick genommen“, so Paula Lutum-Lenger, Ausstellungsleiterin, Haus der Geschichte. „Es werden viele Einzelschicksale gezeigt, gleichzeitig erfolgt eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang“, erklärt Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Forschung.

Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich Geschichte auditiv, visuell und über Mitmach-Stationen zu erschließen. In vielen Räumen stehen Schreibtische, die veranschaulichen, was die Akteure taten: Welche Dokumente unterzeichneten und zensierten sie?Markant ist auch ein Mosaik aus Polizeibeamten, das sich dem Besucher im Eingang der oberen Etage darbietet: Einzelfotos in Grautönen ergeben ein großes Ganzes – was zeigt, welches Kollektiv hinter den Staatsverbrechen steckte.Im Untergeschoss der Ausstellung erhält der Besucher einen Einblick in original belassene, ehemalige „Verwahrzellen“ von Gestapo-Gegnern.

Die Einrichtung entstand als Bürgerbeteiligungsprojekt mit dem Haus der Geschichte als Träger und der Initiative „Lern-und Gedenkort Hotel Silber“.Die Initiative hatte den ursprünglich geplanten Abriss des Gebäudes in der Dorotheenstraße verhindert. „Wir haben einen Bildungsauftrag – gerade jetzt, wo in Deutschland ein starker Rechtsruck herrscht“, so Elke Banabek, zweite Vorsitzende der Initiative.

 

Über die Ausstellung

In der Ausstellung gibt es viele Original-Objekte, Filme und Mitmach-Stationen.Ein Audio-Guide ist in deutscher, englischer und französischer Sprache für zwei Euro erhältlich. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis18 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Adresse der Gedenkstätte ist die Dorotheenstraße 10. Weitere Infos unter www.geschichtsort-hotel-silber.de.