Vor einem Jahr eröffnete der Lern- und Gedenkort Hotel Silber. Im Rahmen einer Veranstaltungswoche bis 12. Dezember wird Bilanz gezogen und der Dialog gesucht.

 

 

Um die 40 000 Menschen haben es bisher besucht, plus rund 3000 bei der Langen Nacht in Stuttgart: Das „Hotel Silber“ am Charlottenplatz, welches in der NS-Zeit das Stuttgarter Gestapo-Hauptquartier war. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden, doch durch den Einsatz und den Protest eines Aktionsbündnisses, das diesen „steinernen Zeugen“ nicht in Vergessenheit geraten lassen wollte, wurde dies erfolgreich verhindert.

Aus dem Bündnis ist im Jahr 2012 die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. entstanden, in welcher 24 Mitgliedsorganisationen beteiligt sind. Jetzt, ein Jahr später nachdem das Hotel Silber eröffnet wurde, wird Bilanz gezogen. „Stuttgart hat auf einen solchen Ort gegen Geschichtsvergessenheit gewartet. Das zeigt die starke Resonanz in Stuttgart und im Land sowie das ungebremste Interesse an der Dauerausstellung und an den über 40 Veranstaltungen“, sagt Harald Stingele, Vorsitzender der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber.

„Bei den Führungen kommen rund ein Drittel der Besucher von außerhalb. Unterschiedlichste Personengruppen interessieren sich für diesen Ort. Auch hat sich das Hotel Silber als ein außerschulischer Lernort etabliert.“ Warum dieser Lern- und Gedenkort so interessant ist: „Die Geschichte dieses Hauses beginnt bereits im Jahr 1928, in dem die Rechtsentwicklung bereits aufkeimte – ein Thema, das jetzt leider wieder präsenter denn je ist“, erklärt er und führt fort: „Ich muss sagen: Vor zehn Jahren hätten wir nicht gedacht, dass dieser Ort an so hoher Aktualität gewinnt.“

Eine weitere Besonderheit sei, dass es ein Bürgerbeteiligungsmodell gibt – es sei nicht üblich, dass Bürgerbeteiligungen institutionell mitwirken. Und auch, dass sich das Haus der Geschichte, eine staatliche Institution, auf so eine Bürgerbeteiligung eingelassen hat, sei „bemerkenswert und erfreulich“. Auch Veranstaltungen mit vielen Kooperationspartnern machen das Hotel Silber aus. „Beispielsweise suchen wir im Rahmen der Reihe ‚Das offene Fenster‘ ein aktuelles Thema heraus, das einen Bezug zum Haus hat. Im November war es das Thema ‚Rechte Netzwerke bei der Polizei‘.“

Im Rahmen einer Veranstaltungswoche, die bis Donnerstag, 12. Dezember, läuft, wird darüber informiert, wie die Einrichtung bisher angenommen wurde. Doch auch der Dialog steht im Fokus. Am 4. und 5. Dezember gibt es jeweils um 12.30 Uhr beispielsweise kurze Führungen ohne Anmeldung. Am Samstag, 7. Dezember, um 14 Uhr wird ein Erzählcafé ausgerichtet: „Das Hotel Silber spielt in vielen Familiengedächtnissen eine wichtige Rolle. Sei es, weil Vorfahren dort für die Gestapo gearbeitet haben oder ein Familienmitglied von dort aus verfolgt worden war. Das Erzählcafé bietet denjenigen, in deren Familien das ‚Hotel Silber‘ Spuren hinterlassen hat, einen Raum zum Austausch“, erklärt Stingele.

Ebenfalls am Samstag, um 16 Uhr, präsentiert der Stadtjugendring mit Jugendlichen eine Performance mit dem Titel „Erinnern. 5 Jugendliche, eine Stadt, ein Thema“. Am Mittwoch, 11. Dezember, um 18 Uhr, wird der Dialog mit Bürgern gesucht. Die Frage: „Könnte in Deutschland wieder eine Diktatur entstehen?“.

Ein weiteres Highlight: Der Fotograf Simon Sommer dokumentierte den Umbau der Einrichtung und fotografierte den Fortgang der Arbeiten. Die Dokumentation, die am 12. Dezember, um 18.30 Uhr eröffnet wird, wird bis Frühjahr 2020 zu sehen sein. Im Rahmen der Eröffnung präsentieren Schüler des Neigungskurses Bildende Kunst des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Marbach ihr Projekt „Form Follows Function Follows Place. Erinnerungsräume für das ‚Hotel Silber’“. Der Eintritt ist frei, um eine Anmeldung bis zum 5. Dezember per Mail an veranstaltungen-hs@hdgbw.de wird gebeten.

 

 

Was, wann, wo?

Die Veranstaltungswoche zu „Ein Jahr Hotel Silber“ findet noch bis Donnerstag, 12. Dezember, im Hotel Silber, Dorotheenstraße 10, statt. Das vollständige Veranstaltungsprogramm ist online unter www.hotel-silber.de einsehbar. Hinweis: Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.