Das Stadtmuseum hat den 172. Geburtstag des letzten Württemberger Königs, Wilhelm II., mit einem Galadinner im Stadtpalais gefeiert. Des Königs Image ist umstritten.

 

 

Dr. Edith Neumann ist die Sammlungsleiterin und stellvertretende Direktorin des Stadtmuseums im Stadtpalais, das früher Wilhelmspalais hieß. Sie hat am Faschingsdienstag, dem Geburtstag des Königs, rund 100 Gäste mit Anekdoten aus Wilhelms Leben durch den Abend geführt. „Seinerzeit war am Geburtstag des Königs schulfrei“, erzählt sie. „Er begann den Tag mit einem Gottesdienst, dessen Predigt er selbst ausgesucht hat. Der Königsgeburtstag war ein Bildungstag mit Vorträgen und Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Wilhelm II. veranlasste Armenspeisungen, zum Beispiel im Bürgerhospital und seine Untertanen huldigten ihm mit Festessen in den Gemeinden.“

Der König feierte seinen Geburtstag meist bescheiden und in kleiner Runde. Er unterhielt seine Gäste gemeinsam mit seiner Frau Charlotte mit Hofkonzerten, bei denen das Königspaar selbst Klavier spielte und sang. „Sehr schwäbisch“, meint Edith Neumann und bringt die Besucher zum Lachen. „Hot der König denn auch selber Schwäbisch gschwätzt?“, will ein älterer Herr mit Anzug und roter Fliege wissen. „Er hat als einziger Württemberger König den schwäbischen Dialekt beherrscht. Sogar ein Schwäbisches Wörterbuch hat er veranlasst. Oft geschwätzt hat er Schwäbisch allerdings nicht“, antwortet König Wilhelm-Expertin Edith Neumann. Die Kulturhistorikerin und ihr Team des Stadtmuseums veranstalten das Galadinner 2020 zum zweiten Mal. Aufgetischt wird des Königs Leibspeise: Schwarzbrotsuppe, Wildschwein mit Knödeln und Wurzelgemüse und zum Nachtisch Vanilleeis mit heißen Pflaumen und einer frisch gebackenen Waffel.

„Der König lud gerne nicht-hoffähige Bürger in seine privaten Hallen ein, um auf dem Laufenden zu bleiben“, erzählt Sammlungsleiterin Edith Neumann, während die Gäste essen. „Er trat mit dem Oberforstverwalter oder einem Brandversicherungsverwalter aktiv in den Austausch, damit er wusste, was in der Stadt vor sich ging.“ Aktiv in den Austausch tritt auch die Führung des Stadtpalais mit den Stuttgarter Bürgern. Am Abend, als das eine oder andere Glas Wein ausgetrunken ist, wirft ein entrüsteter Gast der Sammlungslei­terin Geschichtsverfälschung vor. Er nimmt Anstoß daran, wie sie König Wilhelms II. Ver­treibung aus Stuttgart im Jahr 1918 darstellt. „Das klingt, als ob der König von seinen eigenen Leuten abgesetzt wurde. Das stimmt nicht! Das waren die von oben aus dem Norden!“, verschafft er sich Luft.

„Ich begegne so was mit Fakten, die mit historischen Quellen belegbar sind. Wenn die Menschen auf ihren Mythos bestehen, ist das so“, meint Edith Neumann. Sie begrüße eine offene Diskussion. Auf einer Podiumsdiskussion geht das Museum im März mit Interessierten ins Gespräch, um den viel diskutierten Verbleib der Königsstatue aus dem Jahr 1991 zu besprechen. Sie stellt den König mit seinen Hunden Ali und Ruby dar und steht aktuell hinter dem Stadtpalais im Garten. Neumann wird die Diskussion mit Fakten aus historischen Quellen einleiten. Sie will die Vielfalt zeigen, die den König ausmachte: „Er hatte zum Beispiel die zwei berühmten Spitze nur ein paar Jahre bei sich und er war auch kein Bürgerkönig.

Er hat zwar nie königliche Allüren entwickelt, dafür schätzten ihn die Stuttgarter auch. Aber er blieb immer der König.“ Sie sagt, die Statue spiele nächstes Jahr noch eine größere Rolle: „Wir haben mit ihr viel vor in unserer Sonderausstellung im Herbst 2021. Da binden wir die Figurengruppe aktiv mit ein“, sagt Edith Neumann. „Wir wollen sie keineswegs verstecken oder Besuchern vorenthalten.“

 

 

Wohin mit der Statue?

Die Podiumsdiskussion findet statt am Mittwoch, 11. März, um 19 Uhr im Foyer des Stadtpalais. Teilnehmer sind Dr. Torben Giese, Dr. Edith Neumann, Professor Dr. Wolfram Pyta, Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle und die Bürgerin Lisa Gerlach. Moderation: Jan Sellner (STZ, STN)