Laut einer Umfrage bewerten junge Menschen das Einkaufen in Stuttgart positiv. Befragte ab 55 Jahren sehen das anders.

 

 

Die City-Initiative Stuttgart hat bei einer Studie in Kooperation mit der Hochschule der Technik herausgefunden, was getan werden muss, um Stuttgart als Handelsstandort für Kunden noch attraktiver zu machen. „Das Kauferlebnis des Kunden ist der zentrale Vorteil des stationären Handels gegenüber dem ECommerce. Auf dieses Erlebnis kann man Einfluss nehmen“, sagt Wirtschaftspsychologe Professor Dr. Thomas Bäumer von der Hochschule der Technik in Stuttgart. Dafür hat Kai Kraus im Rahmen seiner Master-Abschlussarbeit im Fach Wirtschaftspsychologie insgesamt 555 Teilnehmer gefragt, was ihnen in einer Großstadt beim Einkaufen wichtig ist. Im zweiten Schritt haben 344 Befragte die Attraktivität des Einzelhandels in Stuttgart bewertet. „Die Umfrage zeigt vor allem, dass das Kauferlebnis der Kunden vor Ort weiter gestaltet werden muss“, sagt Sven Hahn, City-Manager bei der City-Initiative Stuttgart.

Das sei wichtig, um potenzielle Kunden anzulocken und bestenfalls zu binden, damit sie immer wieder kommen. Kai Kraus hat mit seiner Studie festgestellt, dass für ein positives Kauferlebnis das Ambiente innen im Laden, aber auch die Umgebung um den Laden herum wichtig ist für den Kaufwillen der Kunden. So laden zum Beispiel saubere Parks zum Verweilen ein, Cafés und Restaurants stärken die Konsumenten für die nächste Shopping-Etappe und sorgen so für einen angenehmen Shopping-Tag. „Obwohl die ,Digital Natives‘ über ein geringeres Budget verfügen dürften als ihre älteren Mitmenschen sind die jungen Kunden relevant für den stationären Stuttgarter Handel“, so Sven Hahn.

Das spiegelt sich in den Ergebnissen der Umfrage der Hochschule für Technik: Junge Menschen unter 24 Jahren bewerten das Einkaufserlebnis und die Einkaufszentren in Stuttgart als besonders positiv. Befragte ab 55 Jahren empfinden diesen Faktor nur als durchschnittlich attraktiv. Grund dafür könnte laut Sven Hahn die Handelsstruktur der Stuttgarter Innenstadt sein: Im Stadtzentrum rund um den Hauptbahnhof ballen sich Läden, die mit niedrigen Preisen vor allem jüngere Kunden anlocken. Die Geschäfte hängen hier wirtschaftlich voneinander ab. „Wenn auf der Königstraße ein H&M in Laufnähe einer Fast-Food-Filiale liegt, oder im Milaneo-Einkaufszentrum das Primark-Geschäft unter dem gleichen Dach sitzt wie ein Deichmann- Schuhgeschäft, spielen sich die Läden ihr hohes Kundenaufkommen gegenseitig zu“, sagt der City- Manager.

Hier träfen wichtigen Faktoren zusammen, die laut Studie für Kunden ein gutes Kauferlebnis gestalten: Viele Geschäfte konzentrieren sich auf einer zusammenhängenden Fläche, die mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar ist. Im Umkehrschluss stehen kleine und inhabergeführte Unternehmen wie Buchhandlungen und Boutiquen fernab von Stadtzentrum und Bahnanschluss vor Problemen, denn sie sind auf den Umsatz mit Laufkundschaft angewiesen. So klagen zum Beispiel kleine Einzelhändler im Gebiet um die abgerissene Calwer Passage über Umsatzschwund und einen Rückgang der Laufkundschaft. Hahn rät: „Kleine Geschäfte müssen sich mit anderen betroffenen Läden im Viertel zusammenschließen. Es hilft, wenn sie gemeinsam Konzepte erarbeiten, um Kunden trotz schlechter Erreichbarkeit anzulocken.“

Um Stuttgart als Handelsstandort noch attraktiver zu machen, gibt es der Umfrage nach Verbesserungspotenzial bei Stadtbild und Mobilität. „Gerade die Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt sowie die schlechte Zugänglichkeit der Innenstadt für Autos und Fahrräder haben die Befragten negativ bewertet“, fasst Forscher Kai Kraus zusammen. City-Manager Sven Hahn sieht hier die Stadtverwaltung sowie die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in der Pflicht, bei diesen Themen zu handeln. „Hier gibt es noch viel Luft nach oben.“

Die City-Initiative Stuttgart e.V. (CIS) vertritt die Interessen des Gewerbes gegenüber der Stadtverwaltung. Ziel ist es, Stuttgart als Handelsstandort voranzutreiben. Seit April 2019 ist Sven Hahn Leiter der CIS.