Die Bürgerbeteiligung rund um das Bad Berg gilt als vorbildlich und zeigt, wie Stadtpolitik gehen kann. Nun bahnt sich jedoch ein Streit um die sogenannte Blankenhorn-Villa an.

 

Dass das Kultbad nicht abgerissen, sondern aufwendig saniert wird, gilt als großer Erfolg vieler engagierter Bürger. Sogar in einem Unterausschuss konnte sich vor allem der Verein „Berger Bürger“ mit seinen Wünschen einbringen und so einen Beschluss erreichen, das Bad in seiner Gesamtheit und seinem Charakter zu erhalten. Was sich im Beschluss aus dem Jahr 2013 noch so schön für die „Berger Bürger“ angehört hat, klingt in einer Stellungnahme des technischen Referats der Stadt Stuttgart plötzlich anders.

Dort ist die Rede von einer Teilfläche des Mineralbad Bergs, das zur Refinanzierung eines Neubaus der Außengastronomie verkauft werden soll. Dass hat die „Berger Bürger“ nun auf den Plan gerufen haben: „Diese Entscheidung entspricht nicht den Vereinbarungen im Unterausschuss, die vom Gemeinderat auch beschlossen wurde“, so Walter Hofstetter von den „Berger Bürgern“. Bei der Teilfläche handelt sich um das Gelände neben der Steubenstraße 22. Um eine Wohnbebauung auf dem Gelände zu ermöglichen, müsste man das Gebäude, das im Volksmund „Villa Blankenhorn“ heißt und in dem bis zur Sanierung der Pächter der Außengastronomie wohnte, abreißen und näher ins Badgelände rücken.

„Das Gebäude ‚Blankenhorn-Villa‘ im Charakter des ursprünglichen Gesamtensembles muss erhalten bleiben“, sagt jedoch Hofstetter. „So wurde es im Unterausschuss beschlossen.“ Doch über die Historie des Gebäudes gibt es Unstimmigkeiten: Von Seiten der Bäderbetriebe heißt es zu dem Thema, dass das zur Debatte stehende Gebäude zwar im Volksmund noch „Villa Blankenhorn“ genannt wird, die eigentliche „Villa“ direkt danebenliegend aber bereits vor Jahren abgerissen wurde. Hier widersprechen die „Berger Bürger“. Von diesem angeblichen Abriss sei ihnen nichts bekannt, das augenblickliche Gebäude sei immer noch ein Walmdach-Bungalow, die Steubenstraße 24, in dem einst Paul Blankenhorn als Besitzer des Bades lebte. Ein Streit scheint vorprogrammiert. Die Bäderbetriebe wollen im März ihre konkreten Pläne im Gemeinderat vorstellen – der hat dann das letzte Wort.

 

Sanierung

Das Mineralbad Berg wird seit September 2016 für rund 30 Millionen Euro saniert und soll bis zur Badesaison 2019 wieder eröffnen.