Im November hat das erste stationäre Kinder- und Jugendhospiz in Baden-Württemberg offiziell eröffnet. Nun sind auch die ersten Bewohner auf Zeit eingezogen.

 

 

Mit dem Begriff Hospiz verbinden die meisten sofort den baldigen Tod: Doch da hakt der Prälat im Ruhestand und Martin Klumpp, Vorsitzender Förderverein Hospiz Stuttgart, sofort ein: „Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Hospiz für Erwachsene und einem für Kinder“. Er sieht das Haus als einen Standort zum Kräftetanken für die Angehörigen: „Eltern von einem Kind mit lebensverkürzender Erkrankung sind sehr belastet – fast alles dreht sich um die Krankheit und mögliche Heilungschancen“, so Klumpp.

Für die Eltern selbst oder mögliche Geschwister des Kindes bleibt oft wenig Zeit, obwohl auch die dringend notwendig sei. Das neue stationäre Kinderhospiz bietet da die Möglichkeit Unterstützung zu bekommen: Sei es durch einen gemeinsamen Aufenthalt mit dem Kind in der neuen Anlage im Stuttgarter Osten, oder auch das Kind alleine.

In den vergangenen zwei Jahren wurde wirklich alles getan um diesen Aufenthalt so „gut wie möglich“ gestalten zu können. Vor zwei Jahren begannen die Renovierungsarbeiten in der schicken alten Villa oberhalb des Eugenplatzes. Entstanden sind moderne helle Räume, die einen schönen Kontrast bilden zu dem denkmalgeschützten alten Gebäude. Es gibt die unterschiedliche Themenräume für kreatives Arbeiten, Musik und sogar ein sogenannter Snoezelenraum, der mit speziellem Lichtern und Musik, einem Wasserbett und vielen weiteren Extras zum Entspannen für die schwerkranken Kinder und Jugendlichen ist.

Die ganze Villa ist eine Art Wohlfühloase, die aus fast jedem Raum einen tollen Blick über die Stadt bietet und zugleich durch ganz viel versteckte Technik moderne Pflegemöglichkeiten auszuweisen hat. Insgesamt acht Kinder- und Jugendliche und ihre Familien können im Haus leben. Bis zu vier Wochen am Stück hat man über die Krankenkasse Anspruch auf einen Aufenthalt. „Und da muss alles einwandfrei funktionieren, schließlich sollen die Familien entlastet werden“, sagt Klumpp. Um das zu ermöglichen, steckt natürlich ein erheblicher finanzieller Aufwand in dem Projekt. Im Jahr 2012 wurde für rund drei Millionen Euro, die Villa in der Diemershaldenstraße erworben. Weitere Millionen Euro an Spenden waren notwendig, um das Haus in den jetzigen Zustand zu bringen.

Und die Suche nach Spendern ist damit noch lange nicht vorbei. Für den laufenden Betrieb sind rund 700 000 Euro jährlich an Spenden aufzutreiben. Eine große Aufgabe, der sich der Förderverein Hospiz Stuttgart mit seinem Vorsitzenden Martin Klumpp stellt. An Motivation mangelt es jedoch nicht. „Seit 1980 habe ich Gesprächsgruppen mit trauernden Eltern geleitet und so immer und immer wieder erfahren, wie sehr sich ein Ort wie ein stationäres Hospiz gewünscht hätten“, sagt Klumpp.

Durch die große Motivation wurde Klumpp zu einem Motor des Projektes, auch in Stuttgart ein stationäres Hospiz zu bekommen. Ein Projekt, das nun endlich umgesetzt wurde und das auch zu Verbesserungen in anderen Bereichen führen soll. Denn mit im Haus befindet sich auch die im Aufbau befindliche Landesstelle „BW Palliative Care“: Diese soll eine bessere Vernetzung der bereits bestehenden Anlaufstellen Dienste im Land sorgen. „Hier sollen alle Hospize, Reha-Möglichkeiten, Kinderkrankenhäuser mit ihren Spezialgebieten aber auch Kinderärzte gesammelt und aufgelistet werde“, so Klumpp. Betroffene Eltern können so online oder in Beratungsgesprächen auf sehr schnellem Wege erfahren, was der ideale Ort für eine Behandlung und Pflege des Kindes sein könnte.

 

Internet

Mehr Informationen zur Arbeit des stationären Kinder- und Jugendhospizes gibt es auch im Internet unter www.hospiz-stuttgart.de.