Belebt, bunt, gut besucht: Auf dem Schützenplatz ist einiges los in den kommenden Monaten – dafür sorgen das Team von Nachbarschaft Selbstgemacht und Anwohner.

 

 

Urban Gardening, Brunchen, Small Talk im Schatten zierlicher Bäumchen, die seit Neuestem in Hochbeeten ein Zuhause gefunden haben – und nicht zu vergessen: die knallblaue Kunstinstallation, auch als Parklet bekannt, mit weiteren Sitzgelegenheiten: Der Schützenplatz hat sich von einer Bleiwüste, die von blechernen Karossen besetzt wurde, zu einer grünen Oase entwickelt.

„Wem gehört der öffentliche Raum?“ So lautete die Frage, die sich Menschen, die hier wohnen, schon seit Jahren gestellt haben. „Seit 2015 haben die Anwohner ein Wörtchen mitzureden bei der Diskussion und Planung für die Umgestaltung des Schützenplatzes. Der Entwurf steht: Ein Halbkreisverkehr soll hier entstehen. Von 54 Stellplätzen soll es nur noch 13 geben.

Und öffentliche Fläche zur freien Nutzung ist auch vorgesehen. Die Realisierung soll bis Ende 2024 erfolgen“, erklärt Architekt Jesús Antonio Martínez Zárate, der das Parklet-Projekt begleitete und nun auch zum Team „Nachbarschaft selbst gemacht“ gehört. „Auch der Anwohnerverein ‚Casa Schützenplatz’ wurde gebildet.“ Seither kam einiges ins Rollen: wegrollen von den Parkplätzen hieß es seit 2016 aufgrund des Projekts namens „Parklet“, ausgerichtet von der Universität Stuttgart, aber hauptsächlich durch eine Sondergenehmigung, die beantragt wurde, sodass diese Fläche als öffentlicher Raum genutzt werden durfte.

Insgesamt 17 Parkplätzen fielen und fallen dadurch weg. Zwei Erfolgsgeschichten, die sich hier bereits ereignet haben: „Ein Pärchen hat sich hier kennengelernt und lebt jetzt zusammen in Paris“, sagt Martínez Zárate. „Außerdem haben zwei Nachbarn bemerkt, dass sie sich ein Auto teilen könnten: Der eine nutzte sein Auto nur am Wochenende, der andere unter der Woche. So beschloss einer der beiden sogar sein Auto zu verkaufen!“ Mehr Raum für Erfolgsgeschichten: Seit Mitte Juni wurde die rund 200 Quadratmeter große Fläche noch einmal mehr verschönert: ein kleiner urbaner Garten samt Hochbeeten befindet sich hier nun, zudem gibt es eine kleine Bühne.

Ein Erfolg nach dem anderen

Besonderheit: Die Materialen sind alle recycelt worden. Doch es sollte hier nicht nur „schöner und gemütlicher“ werden, denn der Schützenplatz wird in den kommenden Monaten auch bespielt – dafür sorgt das neue Team „Nachbarschaft selbst gemacht“. Die Leitung haben Martínez Zárate und Dessire Velez Cadillo von der Initiative „Reciclaje“, die sich in Peru für Recycling einsetzt, und Tom Hauber vom Verein für internationale Jugendarbeit. „Wir wollen bis zum 22. September Veranstaltungen auf dem Platz ausrichten und die Nachbarn dazu animieren, selbst Ideen hervorzubringen, was hier alles veranstaltet werden kann. Wir sind sozusagen Ideengeber, Anwohner und lokale Initiativen sind gerne dazu eingeladen, auch einen Beitrag zu leisten“, sagt Martínez Zárate.

Das Programm des Teams setzt Schwerpunkte in Sachen Recycling, öffentlicher Raum, und Nachhaltigkeit. „Uns geht es vor allem darum, dass hier kein Konsumzwang herrscht und das Teilen im Vordergrund steht“, sagt Dessire Velez Cadillo. Unter anderem wird ein Brunch am 21. Juli ausgerichtet. Hier kann jeder vorbeischauen und mitbringen, was er mag. Übrigens: Eine Förderung für die Umsetzung dieses insgesamt zehn Monate lange Projekts hat das Team vom städtischen Kulturamt im Rahmen des Programms „Kultur im öffentlichen Raum“ erhalten.

Anwohnerin Angelika Krüger nutzt den frei gewordenen Raum: „Mir gefällt es hier richtig gut. Ich kenne jetzt meine Nachbarn, was zuvor nicht der Fall war.“ Auch Anwohner Frank Schweizer ist glücklich darüber, wie sich der Schützenplatz entwickelt: „Diese grüne Insel macht den Ort schön – eine Parkplatzfläche wird somit zum Aufenthaltsplatz. Die Vereinsgründung war zudem wichtig, sodass sich ein Forum bilden kann und man eine Rechtsform hat. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Leute hierherkommen und die Fläche auch nutzen“.

 

 

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Alle weiteren Infos zum Projekt gibt es online auf www.schuetzenplatz.net. Nächste Termine: – Bodenmalerei am 7. Juli von 18 bis 22 Uhr Brunch am 21. Juli von 11 bis 15 Uhr