„Tour de Sens“ im Stuttgarter Osten organisiert Reisen für Sehende und Blinde durch Stuttgart und die Welt. Reinschnuppern kann man zum Beispiel am 26. Januar bei einer Tour durch Stuttgart.

 

Im Dezember nach Sri Lanka, im Sommer ins Allgäu oder Silvester nach Sevilla. Die Reiseangebote von „Tour de Sens“ unterscheiden sich erst Mal in keiner Weise von anderen Reiseanbietern. „Es ist auch nicht entscheidend, wo man hingeht, sondern was man dort macht“, sagt Laura Kutter, Geschäftsführerin von „Tour de Sens“.

Denn der Anbieter hat ein entscheidendes Merkmal: Die Reisen sind spezialisiert auf Gruppenreisen für Blinde, Sehbehinderte und Sehende. Entsprechend steht für alle Teilnehmer auch ein besonderes Programm an den jeweiligen Reisezielen an. Weniger visuelle Schwerpunkte bedeutet aber nicht automatisch weniger Eindrücke, so Kutter. Stattdessen werden die Schwerpunkte auf die anderen Sinne gelegt. Schließlich lässt es sich auch mit einem kulinarischen Fokus bestens durch Italien reisen: „In Indien kann man sich hervorragend durch Märkte schnuppern und in Portugal traditionelle Türklopfer ertasten“, nennt Kutter Beispiele. „Zudem suchen wir viel Kontakt zu den Menschen vor Ort“, sagt Kutter. Bei der bulgarischen FolkloreGruppe wird nicht zwingend das Konzert besucht, sondern auch mal eine Probe, um in Kontakt zu kommen.

Kommunikation spielt überhaupt eine wichtige Rolle. Denn bei „Tour de Sens“ haben die sehbehinderten Teilnehmer nicht, wie sonst oft üblich, eine Assistenz dabei, die sie auch bezahlen müssen, sondern es werden Pärchen unter den Teilnehmern gebildet von Sehenden und Blinden, die den Reisetag miteinander verbringen. Es gebe sowohl fixe Zweierteams, aber auch Pärchen die tageweise durchwechseln, sagt Kutter. „So hat man nicht den üblichen Smalltalk als Alleinreisender in einer Gruppe“, ist Kutter überzeugt. Stattdessen kann der Sehende erzählen, was er gerade wo sieht, und der Blinde von seinen Eindrücken berichten: „Denn für einen Sehenden geraten die anderen Eindrücke, wie Geruch oder Gehör, oft in den Hintergrund“, so die Geschäftsführerin von „Tour de Sens“.

Was für Kutter vor sechs Jahren nebenberuflich mit nur wenigen Reisen im Jahr begann, ist inzwischen ein erfolgreiches Unternehmen mit einem kleinen Team und rund 30 Reisen im Jahr. Im Idealfall sind bei einer Tour zwölf bis 16 Reisende dabei, plus zwei Reiseleiter: Ein Drittel sehend, ein Drittel sehbehindert und ein Drittel blind sei die ideale Besetzung. Die Nachfrage von Seiten der Sehbehinderten und Blinden ist groß, schwieriger sieht es bei den Sehenden aus. Kein Wunder, im ersten Augenblick klingt eine solche Reise schließlich nach einer aufwendigen Aufgabe und Verantwortung: „Die Rückmeldungen sind aber ganz anders – die Sehenden sind von den vielen neuen Eindrücken sehr begeistert“, sagt Kutter.

Für einen Einstieg, ob eine solche Reise etwas für einen ist, empfiehlt sie bei einer sogenannten StuttgartSchnupperTour mitzumachen. Die verlaufen nach demselben Prinzip, nur eben nicht in die weite Welt, sondern zum Beispiel für ein paar Stunden durch den Stuttgarter Osten.

Die nächste Tour steht am Samstag, 26. Januar, an. Auf dem Programm „für alle Sinne“ stehen eine kurze Begrüßung und Einführung im Büro in der Teckstraße 12, ein Stadtteilrundgang in Stuttgart Ost mit einer kleinen Verkostung unterwegs und eine abschließende Orgelführung in der Stiftskirche. Während des Programms wird das Konzept des gemeinsamen Reisens umgesetzt. Das heißt, jeder sehender Gast begleitet einen blinden Gast und beide tauschen sich über ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen aus. Um Anmeldung unter info@tourdesens.de oder 88 87 55 30 wird gebeten.

 

Internet

Mehr zu den Angeboten von „Tour de Sens“ gibt es im Internet unter www.tourdesens.de.