Für Pflegebedürftige, Angehörige oder auch betroffene Nachbarn: Zuhause leben e. V. bietet ab Dienstag, 16. Januar, eine Online-Sprechstunde zu Themen wie Demenz, Pflegehilfe oder auch Antragstellungen.

 

 

Von Müllbergen, Exkrementen, Anhäufungen von nutzlosen Gegenständen bis hin zu toten Tieren in Wohnungen einsamer, hilfsbedürftiger Menschen haben Gerda Mahmens, Vorsitzende von „Zuhause leben e.V.“, und ihre Mitarbeiter schon alles gesehen. „Es leben arme und bedürftige Menschen unter uns – größtenteils unauffällig – die Unterstützung brauchen und nur scheinbar ein selbstbestimmtes Leben führen. Man sieht es ihnen nicht an, doch wenn wir von ‚Zuhause leben’ die Wohnungen betreten, finden wir oftmals Lebenswelten vor, die traurig und auch schockierend sind“, erklärt Gerda Mahmens. Meist würden diese Menschen zurückgezogen leben, kamen irgendwann an einen Punkt in ihrem Leben, an dem sie stehengeblieben sind – durch eine Erkrankung oder Behinderung, durch den Tod des Partners oder den Wegzug von Nahestehenden.

 

„Viele schämen sich, um Hilfe zu bitten oder sind zu stolz, werden teils aggressiv, wenn jemand sie darauf hinweist, dass der Alltag nicht mehr allein bewältigt werden kann.“ Solche Reaktionen sehe die Vorsitzende des Vereins meistens bei älteren Menschen, die sich ihre Eigenständigkeit unbedingt bewahren wollen. „Die Zahl älterer alleinlebender Menschen ist hoch. Allein in Heslach leben 40 Prozent der über 65-Jährigen allein.“ Zuhause wolle jeder bleiben, aber geregelt werde dort oftmals nichts. Teils werde zwar ein Pflegeantrag gestellt, aber nur um das Geld zu erhalten.

 

Doch auch Angehörige oder Nachbarn seien größtenteils betroffen, wissen nicht, wie sie mit dem Menschen umgehen sollen oder fühlen sich belästigt – beispielsweise vom Gestank, der aus der Wohnung komme. „Es sind viele Vorurteile da. Das Umfeld reagiert oft mit Unverständnis, Räumungsklagen sind nicht selten oder dass sich das Sozialamt einschaltet und eine gesetzliche Betreuung erwirkt. Zuvor werden wir meist gerufen, um eine Lösungen zu finden, die für die Pflegebedürftigen nicht den kompletten Kontrollverlust über ihr Leben bedeuten.“

 

Ein erster Schritt sei, ins Gespräch zu kommen und sich einen professionellen Rat einzuholen, um auch weiterhin das Leben Zuhause im Griff haben zu können. Um das zu ermöglichen, wurde „Zuhause leben“ im Jahr 2012 gegründet. „Eine persönliche und individuelle Beratung zu Lebensfragen, zur Pflegehilfe und Hilfestellungen – ob zu Antragsstellungen, zur Bewältigung von Papierkram, Begleitung bei Einkäufen oder zu kulturellen und sozialen Veranstaltungen – ist uns sehr wichtig.“

 

Was heutzutage jedoch zunehmend fehle: Die Zeit. Darum schlägt der Verein ab Dienstag, 16. Januar, einen neuen Weg ein: „Die Digitalisierung machen wir uns zum Vorteil und starten eine offene Online-Sprechstunde via Skype am 16. Januar von 15 bis 18 Uhr. Pflegebedürftige, (pflegende) Angehörige oder Nachbarn sollen die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch haben – wenn auch nur über den Bildschirm“, sagt Gerda Mahmens. „Ein Mal im Monat beraten und unterstützen meine Mitarbeiterin Susanne Kleinschmidt und ich rund um Themen wie Alltagsbewältigung im Alter oder bei einer Behinderung sowie zu Demenz, Ausfüllen eines Pflegeantrags oder eines Antrags für einen Schwerbehindertenausweis.“ Mit dem niederschwelligen Angebot könne man auch für Menschen, denen die Kraft oder auch die Zeit fehlt, um zu uns zu kommen, einen Zugang zu diesen Themen schaffen.

 

„Der Mensch ist komplex, eine Pflegesituation auch – darauf stellen wir uns jedes Mal von Neuem ein. Sich auf Augenhöhe zu begegnen schafft Vertrauen, die Videotelefonie ermöglicht es, Nähe herzustellen“, erklärt Susanne Kleinschmidt von Zuhause leben, Zuständigkeitsbereich Qualitätsmanagement und Projektarbeit. „Es kann den Ratsuchenden dadurch leichter fallen, Problemlagen zu schildern – insbesondere wenn ein Pflegefall in der Familie plötzlich auftritt und der Angehörige weit weg wohnt.“

 

 

 

INFO

 

 

2012 gegründet setzt sich der Verein Zuhause leben für den Erhalt des eigenständigen und selbstbestimmten Lebens hilfsbedürftiger Menschen im gewohnten Wohnumfeld ein. Ab Dienstag, 16. Januar, bietet der Verein eine monatliche Online-Sprechstunde zu den unterschiedlichsten sozialen und pflegerischen Themen via Skype an. Voraussetzung ist lediglich ein Skype-Zugang, der Verein ist über den Benutzernamen „Zuhause leben e.V.“ erreichbar. Ohne Terminvereinbarung. Mehr Informationen online auf www.zuhause-leben-ev.org