Die Hasenbergsteige bietet mitunter gigantische Ausblicke auf Stuttgart. Das Problem: Die Aussichtsplattformen sind zugewuchert und vernachlässigt. Studenten aus Nürtingen haben kreative Ideen zur Aufwertung.

 

 

„Die topografische Situation an der Hasenbergsteige in Kombination mit der dicht bebauten Stadt im Stuttgarter Süden und Westen ist für eine deutsche Großstadt einmalig“, sagt Eckhard Ernst. Der Architekt ist Mitglied der Initiative „Stadtraum West“, die zum Ziel hat, öffentliche Orte im Stuttgarter Westen aufzuwerten und zu gestalten. Nun hat die Initiative die Hasenbergsteige mit der Hasenberganlage ins Visier genommen – mit dem Ziel, dort oben bessere Naherholungsmöglichkeiten für die Bewohner des Westens und des Südens zu schaffen.

Das Besondere an der Lage: Hügel und Stadt liegen nah beieinander. Wer, beginnend am Johann-Sebastian- Bach-Platz, den Aufstieg zum Hasenberg nimmt, überwindet auf einer Strecke von 1500 Metern Länge einen Höhenunterschied von circa 155 Metern. Ernst bedauert: „Hier liegt ein wahres Kleinod versteckt, das nicht genutzt wird.“ Damit meint er zum Beispiel die Aussichtsplattform, wo früher das Jägerhaus, eine beliebte Gartenwirtschaft, stand. Vom Turm, der im Zweiten Weltkrieg gesprengt wurde, ist nur noch ein Stumpf übrig. Das Bild heute: Lieblose Plastiktische und achtlos weggeworfener Müll. Verwaist und verbarrikadiert erscheint auch das ehemals beliebte und seit Jahren geschlossene Ausflugslokal „Waldhaus“. Spaziergänger, die hier vorbeikommen, rätseln schon lange, was mit dem sanierungsbedürftigen Gebäude passieren soll.

Nicht viel besser sieht es aus, wenn man die Hasenbergsteige ein Stück hinabgeht: Die Villa Hajek, früheres Wohnhaus und Atelier des 2005 verstorbenen Künstlers Otto Herbert Hajek, ist seit Jahren ungenutzt. „Die Hajek-Skulpturen vor dem Haus sind beliebig und ohne Konzept aufgestellt“, sagt Ernst. „Es wäre schön, wenn das Hajek- Haus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und der Park ansprechender gestaltet wäre.“ Wie Anwohner berichteten, seien Besucher regelmäßig über die Situation des Hajek- Hauses sehr enttäuscht. Der Aussichtspunkt, mittig der Steige, gegenüber des Trinkwasserbehälters , wirkt – trotz spektakulärer Aussicht – wenig einladend. Ernst betont: „Neben einer Aufwertung der Aufenthaltsqualität wäre es eine große Verbesserung, wenn man die Hasenbergsteige künftig vom Süden aus über eine neu angelegte Treppe besser zu Fuß erreichen könnte.“

Architektur- Studenten der HfWU Nürtingen (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt) haben sich der Herausforderung angenommen und Ideen erarbeitet. Ernst zeigt am Computer einige der Entwürfe, die dabei herausgekommen sind. Die Vorschläge sind bunt gemischt: Von Walderlebnispfaden bis zu einem Aussichtsturm, der neben dem Turmstumpf entstehen könnte. Einige der Studierenden wollen auch den historischen Turm wieder neu aufbauen. Eine Gruppe schlägt vor, aus dem „Grünen U“ der Stadt durch Einbezug der Hasenbergsteige ein „Grünes O“ zu erschaffen. Das wegen seiner Form so genannte Grüne U erstreckt sich bislang über acht Kilometer von den Schlossgärten bis zum Höhenpark Killesberg. In Form eines Baumwipfelpfads möchten die Studenten den an den Hasenberg angrenzenden Wald aktivieren. „Es gibt zum Beispiel auch die Idee, den Hajek-Skulpturen- Park urbaner zu gestalten“, sagt Ernst. Auch kreativ: Ein Geschichtsparcours mit Infotafeln entlang der Steige. Die Initiative Stadtraum West hat zusammen Professor Cornelia Bott von der HfWU Nürtingen die Ideen der Studenten bereits im Bezirksbeirat Stuttgart-West vorgestellt. „Alle Fraktionen haben das Vorhaben begrüßt“, so Ernst.

Im März soll es ein öffentliches „Platzgespräch“ zum Thema „Reaktivierung Hasenberg“ geben, zu dem alle Bürger eingeladen sind. „Wenn die Kommunalpolitik die Idee aufgreift und eine Bürgerbeteiligung stattgefunden hat, könnte es im besten Fall einen Architekten-Wettbewerb zur Neugestaltung der Hasenbergsteige geben“, blickt Ernst voraus. Die Entwürfe der Studenten dienen zunächst als Inspiration, was an der Hasenbergsteige alles passieren könnte. „Toll wäre es auch, wenn aus dem Hasenberg ein IBA-Projekt werden könnte“, hofft Ernst in Hinblick auf die Internationale Bauausstellung 2027 in Stuttgart. Neben den Ideen der Studenten gibt es weitere Vorschläge für die öffent- liche Nutzung der Plätze an der Hasenbergsteige: So ist das Literaturhaus Stuttgart interessiert an einer Möglichkeit, im Bereich der Hasenberganlage sommerliche Lesungen im Freien durchführen zu können. Zudem wurden bereits die Idee einer Meditations- und Yogawiese, eines gastronomischen Angebots sowie eines Hajek-Museums genannt. Bisher sind das alles jedoch nur Visionen.

Was halten Sie von den Ideen zur „Reaktivierung“ der Hasenbergsteige? Schreiben Sie uns unter wochenblatt@stzw.zgs.de, Betreff Hasenbergsteige.