Interview mit Patrick Auracher, Spieler bei den Stuttgarter Kickers. Die verpassten den Aufstieg in die Regionalliga und spielen weiter in der Oberliga. Auracher spricht über die derzeitige Lage und seine Rückkehr.

 

 

Seit dem 5. Juni steht fest, dass die Stuttgarter Kickers auch in der Saison 2019/20 in der Oberliga spielen werden. Der Verein verpasste den Aufstieg in die Regionalliga in der Relegation. Nachdem das Ziel verpasst wurde, hat sich bei den Blauen einiges getan.

Patrick Auracher, der vor der Saison zu den Kickers zurückgekehrt war, spricht über die derzeitige Lage und seine Rückkehr. Der Innenverteidiger spielte bereits von 2010 bis 2014 für die erste Mannschaft.

Herr Auracher, mit ein wenig Abstand zum verpassten Aufstieg: Hat das Team den heftigen Schlag inzwischen verdaut?

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann tut es noch immer weh. Aber über die freie Zeit konnte man abschalten. Ich versuche, da nicht mehr weiter darüber nachzudenken und schaue nun nach vorne und will wieder voll angreifen.

Wie sah bei Ihnen diese trainings- und spielfreie Zeit aus?

Sportlich habe ich die ersten zehn Tage gar nichts gemacht, weil ich ziemlich fertig war. Nun habe ich wieder mit Läufen, Tennis- und Squashspielen angefangen. Außerdem war ich mit meiner Freundin Urlaub machen.

Es hat sich inzwischen ei­niges getan. Mit Ramon Germann steht beispielsweise ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Was für einen Eindruck macht er auf Sie?

Ich habe von ehemaligen Mitspielern von mir, die bereits unter ihm spielten, nur Positives gehört – sowohl menschlich als auch fachlich. Von dem, was ich gehört habe, steht er mehr für offensiven Fußball. Aber das ist alles nur Hörensagen, deshalb lasse ich mich überraschen und lasse mich darauf ein.

Sie haben sich Ende Mai noch für Germanns Vorgänger Tobias Flitsch ausgesprochen. Wie sieht das jetzt aus: War der Trainerwechsel nach dem verpassten Aufstieg unausweichlich?

Ja, ich habe mich für ihn ausgesprochen. In der damaligen Situation wäre die Entlassung das falsche Zeichen gewesen. Aber ich finde, man sollte sich nicht so auf Tobi Flitsch einschießen. Am Ende haben wir als Team versagt. Da muss sich jeder einzelne Spieler der Kritik stellen und sich selbst hinterfragen. Die individuelle Qualität für den Aufstieg hätten wir gehabt. Im Fußball ist es leider so: Wenn das gesteckte Ziel nicht erreicht wird, dann ist der Trainer der Erste in der Kette.

Was will man in der kommenden Saison besser machen und gehören die Kickers zu den Aufstiegsfavoriten?

Ob wir Aufstiegsfavorit sind, weiß ich nicht. Ich denke, dass wir wieder eine starke Truppe zusammenbekommen. Dann haben wir die Vor­bereitung, in der wir hart arbeiten werden, damit wir vom ersten Spieltag an gute Leistungen auf den Platz bringen und das Gazi-Stadion zur Festung machen. Es wird einige Mannschaften geben, die aufsteigen wollen, und wir sind eine davon. Ich werde alles dafür geben.

Wie bewerten Sie Ihre Rückkehr: War es die richtige Entscheidung?

Ja, es war die richtige Entscheidung und ich bereue nichts. Ich bin nach wie vor sehr gerne hier. Das ist wie eine Familie für mich. Für mich gibt es auch nur noch die Stuttgarter Kickers.

Das bedeutet, sie möchten ihre Profi-Karriere bei den Blauen beenden?

Ja, ich werde auf jeden Fall meine Karriere als Leistungssportler bei den Kickers beenden. Ich werde noch so lange auf der Waldau laufen, wie mich meine Beine tragen, und natürlich so lange, wie das der Verein mit mir machen will. Alles andere ist für mich kein Thema. Außerdem ist es mein Traum, dass ich dem Verein nach meiner aktiven Zeit erhalten bleibe, weil er mir unglaublich am Herzen liegt. Das ist aber Zukunftsmusik und ich habe hoffentlich noch ein paar gute Jahre vor mir.

Wenn Sie Ihre erste Zeit bei den Kickers mit der jetzigen Zeit vergleichen, was hat sich dann verändert?

Früher war ich der junge Hüpfer und jetzt bin ich der alte Sack. Jetzt bin ich eher der, der den Ton in der Kabine angibt und nicht mehr still in der Ecke sitzen muss. Bei den Kickers selbst hat sich nicht viel verändert. Es sind noch viele Leute von damals da und der Verein ist immer noch sehr professionell und die Infrastruktur ist überragend.

Wie wichtig werden Sie in der kommenden Saison für das Team sein?

Ich hoffe, sehr wichtig. Ich gebe in der Vorbereitung Vollgas. Wenn ich dann gut in die Saison komme, dann weiß ich, dass ich sehr wichtig für die Mannschaft bin. Aber auch andere Spieler werden sehr wichtig sein und am Ende kommt es darauf an, dass wir eine Mannschaft auf dem Platz haben, in der jeder für jeden durchs Feuer geht.