Jahr für Jahr bewegt der Stuttgart-Lauf Tausende von Hobbyläufern. Für die 24. Ausgabe haben die Organisatoren den Stuttgarter Marathon-Rekordhalter Arne Gabius als Lauf-Botschafter gewinnen können. Der will nach seinem Seuchenjahr wieder angreifen – auch in Stuttgart.

 

 

Die Augen sind leicht zugekniffen. Die Frisur sieht aus, als wäre er gerade aus dem Bett gekommen. Arne Gabius sieht müde aus auf der Pressekonferenz des Stuttgart-Laufs.

Trotzdem wirkt er glücklich. Das liegt daran, dass der deutsche Marathon-Rekordler aus Stuttgart wieder mit dem Training begonnen hat. Tagsüber hat er zwei Einheiten über zehn Kilometer abgespult, am Abend stehen noch ein paar Gymnastikübungen an. „Es macht mir gerade einfach Spaß, wieder zu laufen“, berichtet Gabius mit einem Lächeln im Gesicht.

Der Spaß war dem Langstreckenläufer im abgelaufenen Jahr gründlich vergangen. Bereits im Frühjahr hatte er mit Schmerzen zu kämpfen, ohne zu wissen, woher sie kamen. Trotz reduziertem Trainingsumfang hat er sich immer schlapper gefühlt. Erst Ende Juli, kurz vor seinem geplanten Start bei den Olympischen Spielen in Rio, folgte die bittere Diagnose: Schambeinentzündung. Die Folge: ein halbes Jahr Pause.

„Die Olympia-Absage hatte ich relativ schnell abgehakt“, sagt der 35-Jährige. Nachdem er im Juli bei der Europameisterschaft in Amsterdam nach wenigen Kilometern aufgeben musste, stellte er sich schon langsam darauf ein. Gabius hat vor allem die lange Zwangspause zu schaffen gemacht.

In den ersten vier Monaten ging gar nichts. „Anfangs war ich am Verzweifeln, weil ich nicht mal spazieren gehen konnte, ohne dass es wehtat“, berichtet Gabius, für den es nach 20 Trainingsjahren ohne größere Verletzung eine völlig neue Erfahrung war. „Aber solche Phasen sind auch wichtig, weil man da unheimlich viel lernt.“ Der approbierte Arzt hat die freie Zeit für Weiterbildungen genutzt. Mit Aqua-Jogging versuchte er, seine Grundform einigermaßen zu halten – auch wenn ihm das eher weniger Freude bereitete.

Die ersten Schritte wagte Gabius am ersten Weihnachtsfeiertag. Auch wenn die Muskulatur „noch ab und an zwickt“, läuft es seit ein paar Tagen schon „deutlich besser“. Sobald dann wieder ein normales Training möglich ist – das sind immerhin rund 150 Kilometer in der Woche –, soll es so schnell wie möglich ins Trainingslager nach Kenia gehen, um sich dort die Form für seine Ziele in diesem Jahr zu holen. Am 9. April will er den Hannover-Marathon laufen, um dort die Norm für die im August stattfindende Leichtathletik-WM in London zu erlaufen.

Wenn die Vorbereitung nach Plan verläuft, will er den Halbmarathon beim Stuttgart-Lauf am 25. Juni als Tempo-Einheit nutzen. „Ich müsste mich an diesem Wochenende sowieso belasten, daher bietet sich das an“, sagt Gabius, der als diesjähriger Lauf-Botschafter im Vorfeld Teil verschiedener Side-Events sein wird. Unter anderem ist er in die Vorbereitung einer zwölfköpfigen Trainingsgruppe für Frauen eingebunden.

Für Gabius ist die Rolle als Gesicht der Veranstaltung eine Selbstverständlichkeit. Immerhin fühlt er sich nach über drei Jahren in Stuttgart-Stammheim mittlerweile heimisch und hat die besondere Atmosphäre des Laufs schon 2014 mitbekommen, als er seine Frau an der Strecke begleitete. Nun will er aber selbst wieder angreifen.

Damit dies in diesem Jahr besser klappt, hat er sich nach zwei Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg jetzt dem Verein TherapieReha Bottwartal angeschlossen, wo er mit seinem langjährigen Physiotherapeuten und Freund Jürgen Siegele einen wichtigen Ansprechpartner hat. Dort strebt er auch an, allmählich als Arzt in den Bereich Rehabilitation einzusteigen.

Aktuell sieht Gabius seine Zukunft aber noch in der Leichtathletik. Immerhin ist er erst vor knapp zwei Jahren von der Tartanbahn auf die Straße gewechselt. Und sein Potenzial scheint er selbst mit dem 2015 in Frankfurt gelaufenen deutschen Marathon-Rekord von 2:08:33 Stunden noch nicht voll ausgeschöpft zu haben.

„Ich will mir da jetzt aber überhaupt keinen Druck machen“, sagt Gabius. Er genießt jetzt erst einmal seinen wiedergewonnenen Spaß am Laufen.