Ein 3:0-Sieg im Derby gegen den Karlsruher SC. Die Stimmung beim VfB Stuttgart sollte großartig sein. Doch der Kapitän Marc Oliver Kempf trübt die Freude.

 

 

Erst kürzlich fehlte der Stuttgarter Innenverteidiger Holger Badstuber seiner Mannschaft. Gegen Holstein Kiel stellte ihn der Schiedsrichter mit Gelb-Rot vom Platz. Anschließend verabschiedete sich der ehemalige Nationalspieler beim Verlassen des Platzes noch mit einem unschönen Wort vom Schiedsrichtergespann – gut hörbar über die Außenmikrofone. Und am vergangenen Wochenende war es der VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf, der den Rasen beim baden-württembergischen Derby gegen den Karlsruher SC frühzeitig verlassen musste.

Mit einer völlig übermotivierten Grätsche und beiden beinen voraus traf er in der 87. Spielminute seinen Gegenspieler Christoph Kobald. Die Entschuldigung an Kobald folgte nach dem Spiel, genauso wie die Einsicht: „Es war einfach eine dumme Aktion“, gestand der sichtlich geknickte Kapitän, der mit seinem Platzverweis die Stimmung nach dem 3:0-Derbysieg ein wenig trübte. Er merkte jedoch an: „Wer mich auch kennt und meine Bilanzen, sieht in den letzten Jahren mit meinen Karten, war ich da relativ fair unterwegs. Mir sind auch keine Sicherungen durchgebrannt.“

Der Sportdirektor Sven Mislintat weiß, dass Kempf lediglich ein aggressives Zeichen setzten wollte, „er hat die Situation aber komplett falsch eingeschätzt“. In den nächsten Wochen muss der Absteiger also auf die Dienste seines Kapitäns verzichten. Ein schweres Unterfangen, da die Stuttgarter in dieser Spielzeit ohnehin große Defensivprobleme offenbaren und Kempf selbstverständlich zu den gesetzten Spielern zählt. Ersetzt wird er vermutlich von der Liverpooler Leihgabe Nathaniel Phillips, der gegen den KSC nach dem Platzverweis eingewechselt wurde.

Eine allzu neue Situation ist das für die Hauptstädter jedoch nicht. Bereits viermal musste der VfB Stuttgart ein Spiel in dieser Saison mit zehn Mann beenden. Neben Badstuber und Kempf erwischte es auch Maxime Awoudja gleich beim ersten Spieltag gegen Hannover 96 und Borna Sosa. Die beiden Akteure sahen jeweils die Ampelkarte. In der zweiten Liga sind sie damit nur knapp hinter Hannover 96, die in der laufenden Saison auf fünf Platzverweise kommen.

In den kommenden Wochen wären die Stuttgarter also gut beraten, solch übermotivierten Szenen zu unterbinden. Bereits ohne die Sperren fehlen dem VfB Stuttgart Leistungsträger wie Daniel Didavi oder Marcin Kaminski auf Grund von Verletzungen. Auch Borna Sosa und Sasa Kalajdzic fehlen der Mannschaft weiterhin. Und in den letzten drei Hinrundenspielen gegen den SV Sandhausen, den 1. FC Nürnberg und Darmstadt 98 möchte Tim Walter aus den vollen schöpfen, um den Anschluss an die Tabellenspitze zu wahren und möglicherweise auch wieder zu übernehmen.

 

 

Marc Oliver Kempf

Für Marc Oliver Kempf war die Rote Karte gegen den Karlsruher SC in der Tat der erste Platzverweis in seiner Profikarriere. Lediglich in der U17-Bundesliga sah er in der Saison 2011/12 auch glatt Rot und im darauffolgenden Jahr in der U19 flog er mit einer Gelb-Roten-Karte vom Platz.