Obwohl Johannes Lochner vom Bob-Club Stuttgart Solitude erst seine erste komplette Weltcup-Saison bestreitet, fuhr er bereits eine Menge Tagessiege ein. Das größte Hindernis auf dem Weg zur angestrebten Goldmedaille bei den am Donnerstag beginnenden Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften auf seiner Heim-Bahn in Königssee ist aktuell seine Gesundheit, wie der 26 Jahre alte Berchtesgadener im Interview mit dem Stuttgarter Wochenblatt verrät.

 

 

Herr Lochner, Bob-Bundestrainer René Spies meinte kürzlich, dass Sie wegen des Sturzes in St. Moritz und einer Erkältung in letzter Zeit kaum trainieren konnten. Wie geht es Ihnen jetzt?

Die Erkältung ist auch nach drei Wochen noch nicht wirklich besser geworden. Das hängt mir immer noch in den Nebenhöhlen und im Hals. Ich bin schon fix und fertig, wenn ich nur die Treppen hochlaufe.

Oje, das hört sich nicht gut an. War die Erkältung auch der Grund, warum es zuletzt in Innsbruck mit Platz 16 im Zweier und der Disqualifikation im Vierer nicht gut lief?

Es war mir von Anfang an klar, dass da nicht viel möglich ist. Ich wäre am liebsten einfach im Bett geblieben und gar nicht gefahren. Die Disqualifikation im Vierer war dann einfach Pech. Es hat mehrere Streitfälle wegen zu warmer Kufen ge­geben aber wir wurden halt erwischt.

Wie sehr wurmt es Sie, dass Ihnen damit die Siegchancen im Gesamtweltcup genommen wurden?

Das ist für mich schon ein Problem, auch weil ein Haufen Geld weg ist. Aber das ist zum Glück nicht alles.

Ansonsten lief es in Ihrer ersten kompletten Weltcup-Saison aber alles andere als schlecht: Doppel-Erfolg beim Weltcup in Königssee mit zwei Bahnrekorden, Weltcup-Sieg in St. Moritz, Europameister in Winterberg, dazu mehrere Podestplätze. Haben Sie diese Entwicklung vom Rookie zum Siegfahrer in diesem Winter erwartet?

Eigentlich war es mein Ziel in dieser Saison, ein bisschen Wettkampferfahrung zu sammeln und mich im Weltcup zu etablieren. Das es dann gleich so gut läuft, hätte ich nie gedacht (lacht).

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Beim Bobfahren muss es vor allem vom Kopf her passen. Man darf sich keinen Druck machen, sondern muss entspannt im Schlitten sitzen und mit Gefühl fahren. Das geht nur, wenn man vom Kopf her befreit ist. Dazu muss das Umfeld passen – und das tut es bei mir. Meine Familie, mein Verein und meine Universität stehen hinter mir und ich komme mit meinem Team super aus. So kann ich richtig Spaß am Fahren haben. Und das ist, glaube ich, der Schlüssel zum Erfolg.

In Fachkreisen galten Sie lange nur als Experte für den Zweier. Jetzt sind Sie auch in der Königsklasse ein Siegkandidat. Woher resultiert der Wandel?

Weil ich vor dieser Saison außer im vergangenen Jahr im Europacup noch nicht Vierer gefahren bin (lacht). Ich bin eigentlich immer noch ein blutiger Anfänger. Aber es liegt auch definitiv am neuen Material. Vorher musste ich immer um meine Linie kämpfen, aber mit dem Wallner-Viererbob habe ich einfach ein freies Gefühl und es läuft wie von selbst. Mit dem hatte ich noch keine einzige schlechte Fahrt. Mittlerweile fahr ich im Vierer sogar eine sauberere Linie als im Zweier.

Sie galten deshalb für viele als ein Titelkandidat bei der am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft in Königssee. Gilt das aktuell auch trotz Erkältung?

So wie ich mich jetzt grade fühle, sehe ich noch ein bisschen schwarz. Es kotzt mich an, dass ich nicht so trainieren kann, wie ich will. Ich bin schon seit zwei Wochen nicht mehr im Eiskanal gewesen.

Müssen wir uns Sorgen machen, dass sie vielleicht gar nicht antreten können?

Wenn es gar nicht besser wird, werde ich vielleicht den Zweier am Samstag ausfallen lassen und mich auf den Vierer (am Sonntag, 26. Februar, d. Red.) konzen­trieren. Aber ich werde versuchen, mich zusammen­zureißen. Ich werde jetzt noch mal ein paar Tage nichts tun, um Kraft zu tanken. Ich mache mir da keine Sorgen, da ich meine Heim-Bahn ja kenne. Aber um Francescos (Friedrich, d. Red.) vierten Titel in Folge zu verhindern, muss ich voll fit sein und darf mir keine Fehler erlauben. Ich will nicht schon wieder Zweiter werden wie im vergangenen Jahr. Deshalb bleibt Gold das große Ziel.