Bei der Heim-WM in Stuttgart bleibt eine deutsche Medaille aus. Simone Biles begeistert das Publikum und wird zur erfolgreichsten Turnerin der Geschichte.

 

 

Die Spannung war am Samstag in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle förmlich zu spüren. Die gebannten Blicke richteten sich auf den Stufenbarren. Die Stuttgarter Turnerin Elisabeth Seitz wollte für die erste Medaille bei der Heim-WM sorgen. Die 25-Jährige konnte sich Hoffnungen auf Edelmetall im Finale in ihrer Paradedisziplin machen. Wenige Sekunden nach ihrem Aufgang war dieser Traum jedoch geplatzt. Ein lautes Raunen ging durch die Halle, als Seitz vom Gerät absteigen musste. Am Ende landete sie auf dem achten Rang.

Gold holte die Favoritin Nina Derwael aus Belgien vor der Britin Rebecca Downie. Die Bronzemedaille ging an die 16-jährige US-Amerikanerin Sunisa Lee. „Letztendlich musste ich volles Risiko eingehen, wollte die Verbindungen turnen, weil ich wusste, in diesem Finale am Stufenbarren, wo hier mit Ausgangswerten und Schwierigkeitswerten um sich geschmissen wird, muss man alles riskieren. Und jedes Risiko kann auch mal schiefgehen“, erklärte Seitz nach dem Wettkampf gegenüber SWR Sport und gab sich dennoch kämpferisch: „Ich bin trotzdem eine Weltklasse-Athletin und unter den besten Turnerinnen der Welt im Mehrkampf am Stufenbarren. Darüber darf man einfach nicht enttäuscht sein.“

Auch für Sarah Voss und Lukas Dauser reichte es am letzten Wettkampftag der Weltmeisterschaft nicht zu einer Medaille an ihren Spezialgeräten. Am Schwebebalken erlaubte sich Voss zu viele Fehler. Bei ihrem WM-Debüt landete die 19-Jährige am Ende auf dem siebten Rang. „Ich kann auf eine super WM zurückblicken“, bilanzierte sie aber nach ihrem Top-Ten-Platz im Mehrkampf und Platz sieben am Schwebebalken.

Für Dauser war die Enttäuschung besonders groß. „Vorher lief es gut, danach lief es gut, nur in dem Moment lief es nicht“, resümierte der 26-Jährige über seinen Abstieg am Barren: „Die Anspannung vorher war noch nie so groß wie bei dieser Heim-WM.“ Letztlich musste sich der Sportsoldat mit dem achten Rang zufriedengeben. Die deutschen Medaillen blieben bei der Weltmeisterschaft aus, dennoch war die Stimmung am Neckarpark hervorragend. Insgesamt 102 000 Zuschauer fanden vom 8. bis zum 13. Oktober den Weg in die Halle.

„Noch nie haben wir solch hervorragende Titelkämpfe gesehen“, freute sich der Präsident des Weltverbands FIG, Morinari Watanabe, nach der Veranstaltung. Ein besonderes Highlight für die Zuschauer: Simone Biles. Die 22-Jährige begeisterte mit ihren fantastischen Übungen das Publikum. In Stuttgart kürte sie sich zur erfolgreichsten Turnerin der Geschichte und ist nun mit 25 WM-Medaillen die alleinige WM-Rekordhalterin. Sowohl im Mehrkampf als auch am Sprung, Balken und am Boden setzte sich die 22-jährige US-Amerikanerin die Krone auf. Diesen Rückenwind möchte Biles nun natürlich auch bei den Olympischen Spielen in Tokyo im kommenden Jahr nutzen. Dann soll auch für die deutsche Mannschaft rausspringen.

 

 

Simone Biles

Simone Biles konnte mit ihren vier Medaillen in Stuttgart die WM-Bestmarke des Weißrussen Witali Scherbo (23 Medaillen) knacken. Für den ersten türkischen WM-Titel sorgte in der Landeshauptstadt außerdem Ibrahim Colak, der an den Ringen vor Marco Lodadio und Samir Ait Said landete.