Die Unruhen beim VfB Stuttgart nehmen kein Ende. Nachdem der Trainer Markus Weinzierl in die Kritik geraten ist, wurde nun zunächst der Sportvorstand Michael Reschke entlassen. Sein Amt übernimmt Thomas Hitzlsperger.

 

 

Im August 2017 übernahm Michael Reschke die Position als Sportvorstand von Jan Schindelmeiser beim VfB Stuttgart ein. Nun musste der 61-Jährige seinen Hut nehmen. Nachdem sich der schwäbische Verein derzeit im freien Fall befindet, sah er sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Viel Geld ist über den Ladentisch gegangenen, seitdem Reschke die Zügel beim VfB übernommen hatte. Teure Transfers wie Pablo Maffeo oder Nicolas Gonzalez erfüllen jedoch nicht die Erwartungen. „Der Aufsichtsrat war nicht mehr überzeugt davon, dass in der bestehenden Konstellation die notwendigen Kurskorrekturen vorgenommen werden können“, erklärte der Vorsitzende des Aufsichtsrats und VfB-Präsident Wolfgang Dietrich.

Das Amt als Sportvorstand übernahm nun der ehemalige Meistertorschütze Thomas Hitzlsperger. Dem Amtsantritt des 36-Jährigen folgte jedoch gleich die nächste Niederlage. In der Mercedes-Benz Arena verloren die Schwaben gegen RB Leipzig mit 1:3. Zwar muss Hitzlsperger derzeit keine Deals mit Neuzugängen abschließen, eine besonders wichtige Entscheidung muss er dennoch treffen: Wie lang darf Markus Weinzierl noch als Trainer auf der Bank der Stuttgarter verweilen. Der Coach hat in 14 Partien bereits zehn Niederlagen hinnehmen müssen – das ist ein Negativrekord für einen VfB-Trainer. Wann ziehen die Verantwortlichen um Hitzlsperger auch bei ihrem Übungsleiter die Reißleine?

Einfach werden die ersten Wochen für den neuen Sportvorstand daher auf jeden Fall nicht. „Ich bin so euphorisch und energiegeladen wie selten zuvor, weil ich hier eine große Chance erhalten habe“, erklärte Hitzlsperger vor dem Match gegen Leipzig auf Sky: „Wir müssen jetzt ehrlich miteinander umgehen. Das habe ich in den ersten Tagen bereits gemacht, habe alle einbezogen, mit allen gesprochen.“

Nach der Partie sah Reschkes Nachfolger trotz Niederlage Fortschritte in der Mannschaft: „Wie wir aufgetreten sind, wie wir in den letzten Tagen gearbeitet haben und was heute in der Herangehensweise sehr gut war, das stimmt mich sehr positiv.“ Wer am kommenden Freitag beim Auswärtsspiel in Bremen auf der VfB-Trainerbank sitzt, ist für den ehemaligen Nationalspieler klar: „Es hört sich nicht nur so an, dass Weinzierl in Bremen noch der Trainer sein wird, es ist auch so.“

Mit Trainerwechseln kennt sich Hitzlsperger noch sehr gut aus. Schließlich sind die Stuttgarter bekannt für ihren hohen Verschleiß an Übungsleitern. Selbst trug er das Trikot mit dem Brustring von 2005 bis 2010. In dieser Zeit wurde er von insgesamt sechs verschiedenen Coaches trainiert. Seinen schönsten Moment feierte er in Stuttgart, als er mit der Mannschaft Deutscher Meister wurde und sich mit seinem Traumtor gegen Energie Cottbus in den Geschichtsbüchern des VfB verewigte.

Seine aktive Laufbahn beendete er 2013 nach einem neunmonatigen Engagement beim englischen Erstligisten FC Everton. 2016 bis 2018 war er dann als Berater am Neckar tätig, ehe er das Amt als Leiter der Nachwuchsabteilung übernahm. Nun durfte sich Hitzlsperger über eine Beförderung freuen. Aber diese ist auch mit Vorsicht zu genießen, denn nicht nur auf der Trainerposition herrscht in Stuttgart eine hohe Fluktuationsrate.

Auch der Sportvorstand hat in Cannstatt keine Jobgarantie. Seit 2013 ist Hitzlsperger bereits der fünfte Amtsinhaber. Sein Ziel wird es jedoch sein, neben der Position des Trainers auch auf der Position des Sportvorstands Konstanz zu schaffen. Ob ihm das gelingt, wird sich zeigen. Ein wichtiger Schritt wäre etwas Zählbares am kommenden Freitag.

 

 

Thomas Hitzlsperger

Seine fußballerische Aus­bildung erhielt Thomas Hitzlsperger beim FC Bayern München. Dort durchlief er die Jugend bis hin zur U 19. 2001 wechselte er zu Aston Villa, dann folgte ein Wechsel zum FC Chesterfield. Ein knappes Jahr später ging es zum FC Everton, ehe er sich 2005 dem VfB Stuttgart anschloss.