Ein „Quartier der Zukunft“ soll auf dem EnBW-Areal entstehen. Wunsch der Stadtverwaltung und des Bezirksbeirats: so viele Wohnungen wie möglich – am besten sozial geförderte.

 

 

Auf dem Gelände zwischen der Stöckach- und Hackstraße – eine Fläche von acht Fußballfeldern – plant der Energieversorger EnBW, der auch in der Immobilienbranche tätig ist, ein neues innerstädtisches Wohnquartier. Dieses soll die technologischen und ökologischen Kriterien einer „Smartcity“ gerecht werden. Die Pläne stellten Vertreter der EnBW-Tochter Real Estate vor Kurzem dem Bezirksbeirat Stuttgart-Ost vor. Laut Thomas Erk vom EnBW Immobilienmanagement sollen hier rund 600 Wohnungen – sozial geförderte Wohnungen mit inbegriffen – entstehen samt einem zukunftsweisenden und nachhaltigen Energie- und Verkehrskonzept.

Aber: Die Konzerntochter hat bisher lediglich vor, die Vorgaben des Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM) mit einem 30-prozentigen Sozialanteil zu erfüllen sowie zusätzlich einen Anteil an Werkwohnungen zu bauen. Dieses Projekt „mit Modellcharakter“, laut Erk, könne aus Sicht der EnBW als Vorbild für die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart gelten – in diesem Punkt sind sich der Konzern und die Stadtverwaltung zumindest einig – die Stadt schlug das Gebiet als IBA-Potenzialfläche vor. Thomas Erk betonte zudem, das die Bürger im Rahmen von Bürgerbeteiligungsverfahren ein Wörtchen bei der Quartiersentwicklung mitzureden habe.

„Ich freue mich sehr, dass endlich etwas Bewegung seitens des Eigentümers kommt und vor allem darüber, dass die Stadtverwaltung sich noch schnell ein Vorverkaufsrecht gesichert hat. Es ist die letzte große innerstädtische Konversionsfläche in Richtung Wohnungsbau. Ich bin froh, dass die EnBW hier Hand in Hand mit der Stadtverwaltung und auch den Bürgern zusammen arbeiten möchte“, erklärte Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier.

„Mal verhandelt man mit der Stadt, mal nicht – das geht mir auf die Nerven“, sagte Daniel Campolieti (SPD). Er sprach sich für bis zu 50 Prozent sozialen Wohnraum auf dem Areal aus und dafür dass sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenz, die Energieversorgung, konzentrieren solle. „Ich bin im Zwiespalt, was die Pläne angeht. ich freue mich, dass sich etwas tut und auch die Bürger sich beteiligen dürfen, aber ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt es selbst entwickelt“, sagte Ingrid Schwerdtfeger (Bündnis 90/Die Grünen).

„Uns ist ein gemischtes Wohngebiet wichtig“, so Bernhard Herp (CDU). „Wie viele Wohnungen dort entstehen, ist erst mal nicht relevant, sondern nur wie sie aufgeteilt werden. Tatsache ist, dass die EnBW Eigentümerin ist. Es wird dennoch viele Möglichkeiten seitens der Stadt geben einzugreifen.“

 

 

Wie geht es weiter?

Auf dem EnBW-Areal zwischen der Hack- und Stöckachstraße soll ein neues Quartier entstehen, denn die betriebliche Nutzung soll in 2020 erfolgen. Ein Internationaler Planungswettbewerb für das Quartier ist in der ersten Jahreshälfte von 2019 vorgesehen. Im Preisgericht sind aktuell EnBW, Stadtverwaltung, Gemeinderat und renommierte Fachleute vertreten. Die Ergebnisse sollen bis zum Herbst 2019 vorliegen und anschließend in einen Masterplan für die Neuordnung des Areals sowie – voraussichtlich in etwa 3 Jahren – eine entsprechende baurechtliche Grundlage münden.