„Jedes Kind hat das Recht auf Vater und Mutter“, lautet die Kernforderung des Vereins Väteraufbruch für Kinder Stuttgart.

 

„Als der Verein vor rund 30 Jahren gegründet wurde, gab es gravierende Unterschiede zwischen ehe­lichen und nicht ehelichen Kindern. Letztere hatten beispielsweise keinen Vater nach unserem heutigen Verständnis, sondern nur einen Zahlvater, der ausschließlich Pflichten, aber keine Rechte hatte. Das wollten wir ändern“, erzählt Henning Schläger, Vorstandsmitglied des Stuttgarter Kreisvereins. Nicht zuletzt dank der Intervention des Bundesvereins wurde nicht ehe­lichen Vätern im Zuge der Großen Kindschaftsrechtsreform 1998 erstmals ein Sorgerecht eingeräumt, das allerdings vom Wohlwollen der Mutter abhing. Dass dieses Vetorecht im Widerspruch zum Grund­gesetz stand, erkannte das Bundesverfassungsgericht 2010 nach entsprechendem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte an. Seitdem können nicht eheliche Väter einen Antrag auf gemeinsame Sorge stellen.

„Die Situation schaut heute anders aus, weil immer mehr ins Bewusstsein dringt, dass Kinder das Recht auf regelmäßigen Umgang mit beiden Eltern haben“, resümiert Dagmar Bauer, die sich ebenfalls im Vorstand engagiert. Befriedigend sei sie dennoch nicht, weil rechtliche Vorgaben zu selten umgesetzt würden. Hubert Janocha weiß das zur Genüge. Er verdeutlicht das Dilemma an einem Beispiel. „Will eine Hauptbetreuungsberechtigte in eine andere Stadt ziehen, braucht sie die Zustimmung des anderen Elternteils. In der Praxis wird diese Vorgabe kaum beachtet, geschweige denn sanktioniert.“

Und wenn ein Sorgerechtsfall tatsächlich einmal vor Gericht komme, zögen die Väter vielfach den Kürzeren wegen der tief verwurzelten Überzeugung, dass ein Kind zur Mutter gehöre. „Begründet wird das Ganze mit dem allgegenwärtigen ‚zum Wohl des Kindes’“, einem Synonym für Umgangsboykott, sagt Janocha, der seine 14-jährige Tochter infolge des Umzugs nur noch einmal pro Woche sehen kann.„Allzu oft erschweren nach einer Trennung Rache- und Hassgefühle eine gütliche Einigung zum Besten des Kindes. Ausgrenzung, persönliche Belastungen und Entfremdung sind die Folgen“, weiß Bauer aus eigener Erfahrung.

Sie selbst hat mittlerweile regelmäßigen Kontakt mit ihrem 24-jährigen Sohn – das Ergebnis eines langen, harten Kampfes, in dessen Verlauf so manch anderer schlichtweg resigniert. Andere Länder sind diesbezüglich deutlich weiter. Anstelle des in Deutschland bevorzugten Residenzmodells gilt dort das Wechselmodell, auch Paritätische Doppelresidenz genannt, bei dem der Nachwuchs gleich viel Zeit in beiden Haushalten der Eltern verbringt.

„Das Modell gewährleistet die Aufrechterhaltung und Förderung der Beziehung des Kindes zu seinen beiden Elternteilen. Dies entspricht den Vorgaben des Grundgesetzes und der UN-Kinderrechtskonvention. Väteraufbruch für Kinder fordert deshalb, dass die Paritätische Doppelresidenz als vorrangiges Betreuungsmodell nach Trennung und Scheidung in Gesetzen und Rechtsprechung etabliert wird.“Seit dem Jahr 2017 kann das Modell in Deutschland gerichtlich angeordnet werden.

 

Mehr zum Verein Väteraufbruch

Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat treffen sich die Vereinsmitglieder, um 19 Uhr, im EKiZ in der Ludwigstraße. Interessenten sind herzlich willkommen. Infos unter www.vaeteraufbruch.de und www.stuttgart.vaeteraufbruch.de.