Toilettenpapier von der Rolle, Brause, Dauerwelle oder Botox: „Mir kennat älles ausser Hochdeutsch“ hat durchaus Berechtigung, denn seit über 500 Jahren ist der Südwesten Deutschlands bekannt für seine Erfindungen.

 

 

Das Ländle als Innovationsmotor? Stuttgarts bieder und bodenständig geheißene Söhne und Töchter als Urheber/innen bahnbrechender Weltneuheiten? Es sind bahnbrechende darunter, das Toilettenpapier von der Rolle etwa, das Hans Klenk, Gründer des späteren Hakle-Werks, der Öffentlichkeit bescherte, oder das Brausepulver, das aus den Natron-plus-Weinsäure-Experimenten des Kaufmanns Theodor Beltle resultierte, aber auch nahezu unverzichtbare wie Büstenhalter und Botox. Bei vielen war die Zeit des Forschens an harte Entbehrungen geknüpft, man denke nur an die unzähligen geschmacklichen Verirrungen, die der Chocolatier Alfred Eugen Ritter in seiner Bad Cannstatter Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik ertragen haben musste, bis schließlich die Rezeptur stimmte.

Andere Versuche bargen gar Gefahren für Leib und Leben, wie der Fall der Katharina Laible zeigt: Die Experimente des Coiffeurs Karl Nessler, schnittlauchglattes Haar mittels eines geheimnisvollen Gemischs in eine voluminöse, dauerhafte Löwenmähne zu verwandeln, bezahlte sie mit Brandblasen und Haarausfall. Dennoch zahlte sich beider Hartnäckigkeit aus: Er erhielt Patente auf die Herstellung künstlicher Augenbrauen und -wimpern und die „permanent wave ma­chine“, Vorläufer der heutigen Dauerwelle, sie einen neuen Nachnamen. Ebenfalls nicht zu vergessen ist der schwäbische Beitrag zur Energiewende: Für den endgültigen Durchbruch brauchte es den Wahl-Stuttgarter Ulrich W. Hütter, der in den 50er Jahren den Urtyp moderner Windturbinen entwickelte.

Ob Büstenhalter, Botulinumtoxin oder benzinbetriebene Motorsäge, Baden-Württembergs Tüftlererfolge spiegeln sich in den Zahlen des Deutschen Patent- und Markenamts wieder: 14 533 Patente wurden 2014 angemeldet, die meisten davon
von weltweit operierenden Unternehmen wie Robert Bosch GmbH oder Daimler AG. Nur die Bayern waren mit 15 533 Patenten einen Hauch erfindungsreicher. Insgesamt vereinigen beide Bundesländer über 60 Prozent der Patenanmeldungen auf sich. Manche Erfindungen besitzen sogar Kultstatus – man denke nur an Tipp-Kick.

 

INFO

Tipp: Die große Landesausstellung „Die Schwaben“ im Alten Schloss beschäftigt sich mit schwäbischem Erfindungsreichtum.