Fressen, schlafen, spielen – so schauen die meisten Hundeleben aus. Doch so mancher der gut 13 600 Stuttgarter Vierbeiner erfüllt weit diffizilere Aufgaben als das Bewachen der Futterschüssel.

 

 

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Der Mann im Rollstuhl bewegt sich zügig durch die Menge. Ab und zu blickt er zur Seite auf eine Golden-Retriever-Hündin, die wiederum ihr Herrchen kaum aus den Augen lässt.

„Seit einem Sportunfall bin ich gelähmt. Meine Arme kann ich bewegen, nicht aber die Hände. Deshalb brauche ich bei vielen alltäglichen Dingen Unterstützung“, sagt Thomas Riehl. Hier kommt Hündin Kate ins Spiel: Als Assistenzhund ersetzt sie Menschen mit körperlichen Einschränkungen die ausgefallenen oder fehlenden Körperfunktionen. „Kate übernimmt Aufgaben, die mich überfordern, hebt zum Beispiel Gegenstände auf oder öffnet Türen.

Zudem sind die psychologischen Aspekte extrem wichtig: Sie bringt Lebensqualität und -freude in meinen Alltag, fordert mich und vermittelt bei Kontakten mit anderen Menschen. Viele reagieren bei meinem Anblick verunsichert, nähern sich aber unbeschwert dem Hund. Das bricht das Eis.“

Hunde als Teil der Therapie – die Idee wird längst praktiziert. So sorgen Diabetiker- und Epilepsiewarnhunde für persönliche Sicherheit, Blindenführhunde, Service- und Assistenzhunde helfen im Alltag und Therapiehunde finden bei psychiatrischen, psychischen oder neurologischen Erkrankungen sowie bei Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung Anwendung. Doch die Ausbildung der Hunde kostet Zeit und Geld.

„Kate kommt von Vita e. V. Assistenzhunde, die bilden jährlich sechs bis sieben Hunde aus, die mit je 25 000 Euro zu Buche schlagen“, so Riehl. Das übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der meisten der rund 100 Bewerber, doch Zuschüsse von den Krankenkassen für Ausbildung oder Unterhalt gibt es nicht: „Die DAK-Gesundheit übernimmt die Kosten für eine Versorgung mit Blindenführhunden. Für die Versorgung mit anderen Hunden, zum Beispiel Therapie-, Assistenz-, Behindertenbegleit- oder Diabeteswarnhunde, gibt es keine gesetz­liche Grundlage für eine Kostenübernahme“, sagt DAK-Pressesprecher Daniel Caroppo.

Das liegt unter anderem daran, dass diese Hunde die Voraussetzungen zur Hilfsmittelversorgung nicht erfüllen. „Nach unserem Kenntnisstand übernehmen auch die anderen gesetzlichen Krankenkassen keine Kosten hierfür.“ Diplom-Sozialpädagogin Tatjana Kreidler, Gründerin und 1. Vorsitzende von Vita e. V., würde die Unterstützung der Kassen befürworten.

„Aus unserer Sicht sind die Grundlagen dafür aber die international festgelegten Qualitätsstandards des renommierten Dachverbandes Assistance Dogs International sowie die Leistungsbeschreibungen, die im Sinne der Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind. Die Qualität der ganzheitlichen Ausbildung darf nicht unter finanziellen oder zeitlichen Einschränkungen leiden, da sonst die wertvolle Arbeit dieser Branche einen Qualitätsverlust erfahren würde, der nicht im Sinne der betroffenen Menschen sein kann.“

Riehl sieht das ähnlich: „Ein schlecht ausgebildeter Hund schadet mehr, als dass er nützt.“