Großer Festakt in der Liederhalle zum 100-Jahr-Jubiläum der Waldorfschule – Ministerpräsident Kretschmann würdigt pädagogischen Ansatz.

 

 

Die Waldorfschule Uhlandshöhe steht für Vielfalt, ganzheitliche Bildung und einen pädagogischen Ansatz, der auch heute noch, 100 Jahre nach ihrer Gründung, nach Überzeugung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretsch­mann sehr aktuell ist. Kretsch­mann gratulierte bei einem Festakt in der Liederhalle vor mehr als 1000 Gästen als einer von vielen Rednern der ersten Waldorfschule der Welt, die in Stuttgart am 7. September 1919 gegründet wurde.

Der Regierungschef weiß, wovon er spricht. Der Grünen-Politiker unterrichtete selbst lange Zeit als Gymnasiallehrer an staatlichen Schulen. Er sagte, viele Elemente der Waldorfpädagogik fänden sich auch im staatlichen System wieder. „Handarbeit ist genauso wichtig wie Kopfarbeit.“ Für den Politiker eine der Vorzüge der Waldorfpädagogik. Nach seinen Worten sei die Idee des Stuttgarter Unternehmers Emil Molt, der für die Kinder der Arbeiter seiner Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria eine Schule ohne Klassenunterschiede errichtete, eine der „erstaunlichsten und erfolgreichsten deutschen Bildungsideen des letzten Jahrhunderts“.

Kretschmann ging in seiner Rede auch auf Kritik ein, der sich die Waldorf-Bewegung ausgesetzt sieht. In einigen der Schriften Rudolf Steiners finden sich Aussagen, die aus heutiger Sicht als rassistisch und diskriminierend bewertet werden können. Der Ministerpräsident würdigte ausdrücklich, dass der Bund der Freien Waldorfschulen 2007 dies in der sogenannten Stuttgarter Erklärung eingeräumt und sich davon distanziert hat. Kretschmann sagte, die Waldorfschulen seien bis heute zum Teil Spott ausgesetzt. Doch er gab folgenden Rat mit auf den Weg: „Die Waldorfschulen können sehr gelassen mit dem Vorurteil leben, dass man in ihnen vor allem lerne, seinen Namen zu tanzen und Honig zu schleudern.“

Der Erfolg spricht für sich. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn gratulierte ebenfalls herzlich: „Es ist gut zu sehen, welcher Bildungsimpuls aus Stuttgart in die ganze Welt gegangen ist.“ Die Waldorfpädagogik setze den Menschen ins Zentrum einer ganzheitlichen Bildung. Kuhn nannte die Waldorf-Bewegung die „Hefe im Reformteig für die staatliche Schulen“.

Den festlichen Abschluss des Jubiläums bildete eine Eurythmie-Aufführung im Beethoven-Saal der Liederhalle. Die zwölften Klassen der Waldorfschule Uhlandshöhe zeigten – unter anderem zu Musik von Beethoven und Schostakowitsch – die vielfältigen Darstellungsformen der von Rudolf Steiner entwickelten Bewegungskunst in einem großen Bühnenprogramm.

 

 

Global vertreten

Im Mittelpunkt der Waldorfpädagogik steht der Mensch, danach wird der gesamte Unterricht ausgerichtet. Laut dem Bund der Freien Waldorfschulen besuchen derzeit etwa 88 000 Schüler die 245 Freien Waldorfschulen in Deutschland, davon etwa 60 in Baden-Württemberg. Weltweit sind es rund 1150 Schulen, verteilt auf alle Kontinente rund um den Erdball. Internet unter www.waldorfschule-uhlandshoehe.de